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Abraham a Sancta Clara

Denkmal  Statue
Wortgewalt gegen den Überfluss

Friedlich wirkt sie, die Statue des barocken Kanzelpredigers – zu friedlich, wenn man die vehementen Worte kennt, mit denen Abraham a Sancta Clara (1644–1709) in seinen Sonntagspredigten das unkeusche Leben der Wiener, den sorglosen Umgang mit Viktualien sowie die feudalen Essgewohnheiten der Aristokratie und des Geldadels abkanzelte: »Einfache Gerichte sind höchstens noch für das Gesinde gut genug. Für die Herrschaft ist das nichts. Die Zungen so feiner Leut erwarten bei jedem Bissen ein ganzes Sammelsurium von Genüssen.« Und von ihm stammt das schöne Bonmot »Beatus vir, qui habet multum Silberg'schirr« (Glücklich ist jener Mann, der sich viel Silberg'schirr leisten kann).
Tatsächlich war der aus dem badischen Krenheinstetten stammende, aber hauptsächlich am Wiener Hofe wirkende Pater einer der ersten Gastrosophen überhaupt und einer der bedeutendsten Gaumenzeugen für die Esssitten seiner Zeit. Abraham a Sancta Clara war ein strenger Sittenwächter, der das Treiben »der gailen Böcke« in den Gotteshäusern anprangerte und sich echauffierte: »[…] die Politici und Staatsleut […] kehren dem Altar den Rücken, präsentieren einander Toback […] (und) schauen auf schöne Frauenzimmer.«
Abraham a Sancta Clara wehrte sich gegen die Unsitte, dass man in Wien italienischen Wein trank und in Rom Neckarwein bevorzugte, und er kritisierte den offenbar schon damals grassierenden Brauch, diverse an eine Jahreszeit gebundene Genüsse auch außerhalb ihrer Saison zu begehren: »Wenn sie nicht junge Hiendl und Spargel im Januario, jungen Rättich im Februario, Salat im Mertzen, Maurachen im April, junge Vögel im Mai, Weintrauben im Julio, junge Capauner im Augusto […] haben, so ist es nicht Rares.« O tempora o mores (O was für Zeiten, o was für Sitten) – bemerkenswert, wie sich der Verfall der Sitten in Zeiten des Überflusses doch unabhängig der Zeiten gleichen kann.

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