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Restaurant Tim Raue

Deutschland
Restaurant

Viel ist über Tim Raue geschrieben worden – und das nicht immer sachlich, vor allem wenn es um seine familiäre Vorgeschichte ging (nur die ist für die Gäste seines Lokales maximal von geringer Bedeutung). Man mussTim Raue selbst auch nicht verstehen. Anders ist das mit seinem Essen, das ist schlicht und einfach ein Geschmacks-Erlebnis. Was dieser Mann in Perfektion, Präzision und geschmacklicher Reinkultur auf die Teller zaubert ist nichts als reine Freude für die Geschmacksnerven, man muss sich aber darauf einlassen.

Tim Raue verließ das ehrwürdige Adlon, um gemeinsam mit seiner Frau den Traum vom eigenen Lokal zu realisieren. Es ist ein beeindruckendes Restaurant in seiner Kreuzberger Heimat geworden, bis ins kleinste Detail durchdacht. Klare asiatisch inspirierte Linien, mit wenigen, aber kunstvoll eingesetzten Farbakzenten an den Wänden, schlichten mit weißem Leinen überspannten Holztischen und bequemen Bänken mit blauem Leinenüberzug, weil dies für die Gegend typisch sei, wie Raue sagt. Nichts erinnert an den oft barocken Stil von Hauben- und Sternerestaurants, alles ist zugeschnitten auf das Projekt Geschmack: nur was am Teller liegt, zählt wirklich. Da muss auch die Sammlung antiker Chinesischer und Japanischer Vasen zurückstecken und sich in den Treppenabgang zurückziehen. Der Service ist leger und doch professionell, bleibt dabei stets entspannt, höflich und doch aufmerksam.

Was die Küche um Tim Raue fabriziert, könnte man salopp als unkonventionelle Interpretation asiatischer Küche, mit modernen Küchentechniken und phantasievoll-kreativen Geschmackseffekten umschreiben – und doch wird man ihr damit nicht gerecht (auch wenn Tim Raue immer auf seine asiatischen Küchenwurzeln verweist und immer vom Chili als seinem Lieblingsgewürz spricht).

Einzigartig und unvergessen sein „unique“-Menü (übrigens Gault Millau Menü des Jahres 2012), welches in einer derartigen Perfektion aufgetischt wurde, dass diese schon fast „unmenschlich“ zu sein schien. Und dennoch war das Menü abwechslungsreich, spannend, sinnvoll aufgebaut und voller Überraschungen: vor allem der Wolfsbarsch war es, dessen Wohlgeschmack wohl allen Feinschmeckern ewig in Erinnerung bleiben wird. Tim Raue hat diesen nur einige Minuten in jus de mer eingelegt, dann schonend gedämpft und anschließend auf einer speziellen Zitronen Beurre blanc von „buddha jumps over the wall“ aufgetischt, den Fisch mit einem zart pikanten Püree von grünen Peperoni getoppt, dazu grüne Melone, grüner Apfel und sansho Pfeffer – besser geht das nicht umzusetzen! Das Originalrezept ist nachstehend, für alle die es interessiert (Anmerkung der Redaktion: wir haben dabei übrigens die Gastro-Mengen bewusst im Original belassen, um zu dokumentieren, wie die Küche von Tim Raue arbeitet). Wie man sehen wird, ist „beurre blanc“ dabei nicht wörtlich zu verstehen, die originale passt nämlich nicht in sein Konzept, denn Tim Raue benutzt in seiner Küche keine Butter, er arbeitet absolut „laktose-“, „gluten-“ und „glutamatfrei“ – daher gibt es auch keine Brotkörbe auf seinen Tischen.

Stil und Charakter sind bei Tim Raue deutlicher zu erschmecken als an vielen anderen kulinarischen Orten dieser Erde. „Wir wollen eine asiatisch inspirierte Küche servieren, die als Verbindung der japanischen Produktperfektion, der thailändischen Aromatik und der chinesischen Küchenphilosophie charakterisiert werden kann. Das Ambiente ist dabei betont schlicht und von der urbanen Atmosphäre der Großstadt Berlin geprägt.“, sagt Tim Raue zu seiner Philosophie, die er in größtmöglicher Perfektion umzusetzen sucht.

Wie sagte Tim Raue noch: „Wer will, was er muss, ist frei.“ Es ist also letztlich gar nicht verwunderlich, dass ein solcher Mann ein derartiges Brainfood produzieren muss, um sich frei zu fühlen – man ist schließlich auch, was man isst.

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