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Ständige Vertretung

Bistro/ Brasserie/ Rotisserie
"Innerdeutsche Beziehungen"

Wir blicken zurück auf den 20. Juni 1991, denn an diesem Tag wurde um 21.47 folgendes Abstimmungsergebnis des Parlaments bekanntgegeben: 320 Stimmen für Bonn, 337 Stimmen für Berlin. Das Schicksal Bonns war besiegelt, die neue Hauptstadt Berlin und der Umzug beschlossene Sache. Zwei Bonner Gastronomen traf dies besonders hart, denn Friedel Drautzburg und Harald Grunnert waren berühmt in der Bonner-Politszene, führten sie doch jeder verschiedene Lokale und einen Treffpunkt für Politiker, Beamte und Journalisten sogar zusammen: nämlich das „Haus Daufenbach“ in der Nähe vom Bonner Markt. Als nun der Umzug nach Berlin fest stand – den Friedel Drautzburg übrigens niemals gut geheißen hat und zahlreiche Protestaktionen dagegen unternahm – wurden sie von Stammgästen auf eine Idee gebracht. Aus den Reihen der „Gelben Karten“, einer Vereinigung von Journalisten, die sich hier im Daufenbach regelmäßig trafen, ertönte immer öfter die Frage, was sie denn ohne „Harald und Friedel“ machen sollten, wenn sie selbst – beruflich durch den Berlin-Umzug bedingt – nun nicht mehr in Bonn, sondern in Berlin arbeiten müssten. Und diese Journalisten waren es auch, die dann schließlich folgenden folgenschweren Vorschlag unterbreiteten: „Kommt doch mit uns und macht in Berlin eine Kölsch-Kneipe auf.“

Auch wenn Friedel Drautzburg und Harald Grunnert – zwei eingeschworene Bonner Rheinländer – dieser Gedanke zunächst völlig absurd erschien, nahmen die Anfragen und Bitten derart zu, so dass ihre Abneigung mehr und mehr wich und die Herausforderung immer interessanter erschien. Hinzu kam die Erkenntnis, dass die bevorstehende Abwanderung zahlreicher Stammgäste nicht nur ihre Bonner Läden leer machen würde (mehr als 50.000 Menschen zogen nach Berlin), sondern mit diesen auch ihr Kommunikations- und Freundes-Netzwerk verloren gehen würde. Der Entschluss war dann bald gefasst: Friedel und Harald gingen nach Berlin, um dort den Preußen das Kölsch zu lehren.

In Berlin blieb man dem ursprünglichen politischen Grundkonzept treu – schließlich sind Friedel und Harald überzeugte Sozialdemokraten und zählen zahlreiche Politgrößen zu ihren engeren Freunden. Daher auch Name und Konzept des Lokals, die eng mit der Deutsch-Deutschen Geschichte zusammenhängen: zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR gab es keine Botschaften, sondern nur sogenannte „Ständige Vertretungen“ in Bonn und Ost-Berlin. Daher befindet sich das heutige Lokal „Ständige Vertretung“ im ehemaligen Osten der Stadt und tischt (um dem Namen gerecht zu werden) Rheinische Spezialitäten aus Bonn auf. Außerdem hat man eine Location gewählt die – wie damals in Bonn – in unmittelbarer Nähe zum Regierungsviertel liegt, um Politikern und Journalisten gleichermaßen „entgegenzukommen“. Zudem erwies sich die grandiose Lage an der Spree später als „Goldgrube“, denn die unmittelbare Wasserlage sorgt vor allem im Sommer für volle Gärten, in denen das Gaffel-Kölsch (die Hausmarke) die Hauptrolle spielt. Und die zahlreichen Bilder, Fotos und Ausstellungsstücke, die in der Ständigen Vertretung zu betrachten sind machen das Lokal zu einem politischen Lesebuch, wie die französische Nachrichtenagentur AFP schwärmte.

Für die meisten Gäste ist die Ständige Vertretung heute eines der angesagtesten Bierlokale von Berlin, mit Rheinischer Gemütlichkeit und Gastlichkeit, ein Treffpunkt für Prominenz aus Politik, Medien und Kultur sowie die ultimative Hochburg des neu belebten Berliner Karnevals – und wie es sich gehört, wurde der Rheinländer Harald Grunnert höchstpersönlich zum „preußischen Karnevalsprinzen“ gekürt.

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