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Wiener Würstelstände

traditionelle Basis-Ernährung

Zunächst sei geklärt, dass ein Würstelstand keine „Frittenbude“ ist, auch wenn manche Würstelstände „Pommes“ anbieten. Ein klassischer Würstelstand hat keine Pommes, auch keine Pizzaschnitten oder Kebab, deshalb heißt er ja auch WÜRSTEL-Stand und nicht Imbiss- oder Frittenbude. Es dreht sich bei ihm alles um die Wurst von der er 6 bis 8 Sorten haben sollte, dazu zählen auch verschiedene Spielarten des Leberkäse; ansonsten bilden nur noch verschiedene Senfsorten, Brot und Gebäck, eingelegtes Gemüse sowie Getränke das echte Sortiment!

Genauso wichtig wie die Würste sind auch Würstelstandler selbst. Es gibt von ihnen zwei Arten: Die eine Sorte ist redselig wie ein Radio und verkündet gern – zumeist ungefragt – den neusten Tratsch und Klatsch der nahen Umgebung (man kennt seine Stammgäste) oder die aktuellen Schlagzeilen der Abendausgabe der Kronen-Zeitung. Die andere sieht fern, blickt bei der Bestellung nicht einmal auf, kennt ihren Stand „blind“, weiß wo alles steht und nimmt den Kunden nicht wahr (außer beim Zahlen); Sportclub, Admira, Austria und Rapid sind wichtiger! Als Kunde könnte man glatt glauben etwas falsches gesagt zu haben oder einen Menschen in seiner Ruhe gestört zu haben. Und dennoch kommt nach drei Handgriffen (bei denen das krumme Essbare, das den persönlichen Hunger stillen soll, auf ein gewelltes Papptellerchen befördert wurde) die monotone Frage: „Süß oder Scharf?“ „Süß, bitte!“, flüstert man leise, mit der Hoffnung endlich satt zu werden. „Semmel oder Brot?“, immer noch kein Blick, kein verbindliches Wort, aber das Essen naht! „Brot bitte, ein Scherzel wenn geht...“, „patsch(!)“ landet ein Endabschnitt Brot auf der Wurst, meist auch mitten im Senf – es geht offensichtlich! Dann folgt das Zahlen, den Blick weiter starr zum Fernseher gerichtet wird so was ähnliches wie „nachgezählt“. Als Kunde sind vorm Würstelmann alle gleich „Wurst“, nur Rapid wird etwas Aufmerksamkeit geschenkt!

Entstanden ist diese Institution der kulinarischen Basis, welche wieder alle Sperrstunden sogar in den Randzeiten menschlichen Daseins den verspürten Hunger zu stillen vermag, aus den alten Garküchen der Vorstädte und Praterauen. Ursprünglich sollten sie übrigens auch Kriegsinvaliden dazu verhelfen ein Einkommen zu haben. Schnell konnten sich die Standeln mit ihren schmackhaften Würsten in Wien durchsetzen und vom Draher, der noch einige Dosen Bier braucht über hungernde Taxifahrer und Beamte bis hin zu Politikern und Ballbesuchern erfreuen sich alle – vornehmlich nächtens – an einer „klassen Hassen“.

Heute muss sich der Würstelstand leider vehement und auch etwas trotzig gegen die immer stärker werdenden Döner-Imbisse, Pizza-Schnitten und „american Fast-Food-Ketten“ wehren und wenn auch viele Würstelstände den scheinbar aussichtslosen Kampf bereits verloren haben, so gibt es immerhin doch noch einige, die tapfer die Stellung halten und die Fraktion der Wurstliebhaber bedienen können. Es wäre doch auch zu schade, wenn einem der Duft von gegrillter Käsekrainer, Bratwurst und Waldviertler nicht mehr umschmeichelt oder eine Burenwurst, frisch aus dem Kessel kommend, nimmer die Unterlage für einige Dosen Brau AG-Bier bilden könnte.

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