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Bodensee-Fische

Österreich
Fisch (frisch)

Mit „Mare Suevicum“ bezeichnete man einst die Ostsee, aus deren Hinterland die Alemannen zu Beginn des 3. Jahrhunderts kamen und sich in die Region um Neckar, Donau Lech und Iller niederließen. Und „Mare Suevicum“ – schwäbisches Meer – heißt heute noch der 538 Quadratkilometer große Bodensee, an dessen Aalen, Barschen, Brachsen, Felchen, Hechten, Saiblingen, Scheien, Trüschen und Zandern sich die Gourmets rund um den See delektieren dürfen. Obwohl durch Zivilisationsdruck und Umweltverschmutzung viele Fisch-Arten verschwunden sind, ist Vorarlberg nicht zuletzt wegen des großen Sees ein fischreiches Land und die Artenvielfalt bemerkenswert.

Auch wenn die Fischvorkommen im Bodensee reichhaltig sind und die Fänge gut, so hat der alte Beruf des Fischers eher wenig mit der ihm umgarnenden Romantik zu tun, die sich der Laie so gerne vorstellt: Frühmorgens auf den See hinauszufahren, die Netze auszuwerfen und prallgefüllt wieder einzuholen, das hat für viele Städter etwas sehr uriges, ja geradezu archaisches an sich! Doch aus ökonomischer Sicht sieht das ganze nicht so rosig aus, denn der Bodensee ist so sauber geworden, dass die Fische langsamer wachsen, was allerdings ihre Fleischqualität wesentlich verbessert hat. Zudem engen zahlreiche Vorschriften den Handlungsspielraum der Fischer stark ein. Hinzu kommen die zwar alles andere als heimischen, dennoch unter Naturschutz stehenden Kormorane, welche sich gerne an die „gedeckte Tafel“ der seichten Buchten setzen und sich hier an den Jungfischen zu laben. Das hat zur Folge, dass die Kormorane gedeihen, Schleien und andere im Warmwasser-laichende Fischarten aber in ihren Beständen stark gefährdet sind. Ja sogar die heimischen Nahrungskonkurrenten wie Nachtreiher, Rohrdommel und Zwergrohrdommel wurden von der gefräßigen Kormorankolonien geradezu überrollt.

Leben kann der Berufsfischer vom Fischfang alleine nicht mehr, viele haben ihre Fischerhütten aufgegeben und verkaufen ihren Fang direkt an die Gastronomie, Handelsketten oder im eigenen Wohnhaus. Heute sind die Felchen (auch Rheinanke oder Äsche genannt) der „Brotfisch“, bei Schleien und Flussbarschen sind die Fänge dafür schon zu gering. Saiblinge, Aale, Seeforellen und Trüschen gelten als Beifang, ihre Preise sind tief. Sehr verwunderlich ist das vor allem im Falle der Trüsche, die nicht nur ein äußerst schmackhaftes und aromatisches Fleisch aufweist, sondern vor allem wegen ihrer Leber von den Gourmets geschätzt und geliebt wird.

Trotz aller ökonomischen Schwierigkeiten und den noch immer vorhandenen Problemen mit dem ökologischem Gleichgewicht, muss der Beruf des Fischer aber doch etwas an sich haben; ansonsten würden die Fischer ja ihre Netze als Wanddekoration verkaufen. Statt dessen suchen viele einen Nebenerwerb, sei es im Vermieten von Ferienwohnungen, in der Gastronomie oder in der Produktion von feinen Delikatessen aus Fisch – und fahren nach wie vor frühmorgens mit ihren Netzen auf den See hinaus!

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