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Istrisches Olivenöl

Kroatien
Essige & Öle
eine alte Tradition wird modernisiert

Oliven sind - neben Wein, Ziegen & Ziegenkäse, Schinken und Fischen - seit Jahrtausenden eines der kulinarischen Wahrzeichen Istriens. Schriftliche Zeugnisse der alten Griechen und Römer belegen bereits, dass das hier produzierte Olivenöl von einer ganz ausgezeichneten Qualität gewesen sein soll - manch ein Historiker behauptet sogar, dass die Römer der Ansicht waren, dass das istrische Öl das beste Öl überhaupt gewesen sein soll. Belegt ist zumindest der Umstand, dass seine Qualität eine derart hohe war, dass es als Maßstab zur Bewertung anderer Olivenöl hergenommen wurde. Marko Valerije Marcijal (40 - 103) einer der bedeutendsten römischen Schriftsteller von Epigrammen, hinterließ besonders positive Ansichten über Istrien und sein Öl: „Uncto Corduba laetior Venafro, Histria nec minus absoluta testa." - frei zu deutsch: „Das (kampanische) Venafrum mag reich an Olivenöl und Cordoba reich an Fröhlichkeit sein. Aber Istrien ist mit seinem Olivenöl die kulinarische Vollendung schlechthin."

Neben den schriftlichen Zeugnissen finden sich in Istrien auch materielle Reste altertümlicher Ölproduktion. So sind entlang der gesamten westlichen Küste Istriens, insbesondere auf den Inseln Brijuni, in Barbariga, PoreČ und »ervar Porat zahlreiche Ruinen von alten Ölmühlen und -Produktionsstätten "ausgegraben" worden. Daneben fand man antike industrielle Betriebe, in denen Amphoren hergestellt wurden.

Die ursprünglichen, autochthonen Olivensorten Istriens sind zum Beispiel Bjelica Karbonera oder Buža, die in der Neuzeit rekultiviert wurden und dadurch vor einer wahre Renaissance stehen. Das milde Klima und die spezielle Bodenbeschaffenheit bieten beste Voraussetzungen für das Gedeihen der Olivenbäume, die geographische Position ist geradezu ideal.

In der Neuzeit hat Istrien allerdings mit dem Problem der sogenannten "internationalen Stilistik" zu kämpfen - und diese besagte "internationale Stilistik" wird von den Italienern vorgegeben. Olivenöl muss demnach von unreifen, bereits im Oktober und November geernteten Oliven stammen, damit es die Charakteristika "bitter und scharf" aufweisen kann. Würde man - wie das zum Beispiel in Griechenland traditionell der Fall ist - die Oliven erst als reife Früchte im Januar ernten, so würde das Öl sehr rund schmecken und dabei vollmundig-mild sein. Das ist leider aufgrund des professionellen Italienischen Marketings in der Szene verpönt; und wenn der Trend so weiter geht haben wir bald nurmehr "italienische" Öle.

Da die Rekultivierung der Istrischen Olivenhaine nun maßgeblich von Italien aus gesteuert wurde und wird, weil viele Istrische Betriebe mit Italienischen Investoren arbeiten oder überhaupt gleich Italienern gehören, bestimmt die italienische Stilistik auch das heute hier produzierte Öl. Dass dabei ausschließlich mit italienischem "know how" und italienischen Maschinen und in manchen Fällen sogar mit Italienischen Pflanzen gearbeitet wird, versteht sich da von selbst. Und natürlich fehlt auch das italienische Marketing nicht: fast alle Betriebe, die sich dem modernen Trend angeschossen haben, findet man an der sogenannten "Straße des Olivenöls" und all diese Betriebe sind entsprechend mit einem symbolischen Logo in Form einer Olive gekennzeichnet. Sehr viele dieser Produzenten erzeugen heute sehr gute Qualitäten, die sich durchaus mit ihren Verwandten aus Italien messen können.

Auch wenn derartig produzierte Öle durchaus ihre Berechtigung haben und sicher auch am Weltmarkt eine Chance verdienen, so ist es dennoch sehr schade, dass nur mehr wenige traditionsbewusste Bauern aus den bodenständigen Sorten das echte Istrische Öl erzeugen, welches unbedingt "naturtrüb" zu sein hat, will es wirklich authentisch sein. Es wäre schön, wenn man nicht alles von Haus aus auf den "Weltmarkt" abstimmt, sondern auch diesem kulinarischen Erbe und Kulturgut eine neue Chance geben würde. Man würde damit viel Gewinnen und etwas Wichtiges Erhalten: Vielfalt nämlich!

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