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Jauntaler Hadn

Österreich
Getreide & Getreideprodukte
Relikt aus vergangenen Tagen

Im süd-östlichen Teil Kärntens liegt das schöne Jauntal, das einen Teil des Drautals zwischen der Vellach-Mündung bei Goritschach und Schwabegg, südöstlich des Klagenfurter Beckens, bildet. Im Jauntal gibt es viele historische Spuren, eine der ältesten ist die 2.000 Jahre alte keltisch-römische Siedlung „Juenna“, die dem Tal ihren Namen gab, aber auch Spuren der Kelten und Slawen wurden gefunden. Und, im Jauntal liegt das wichtigste Österreichische Anbaugebiet für den Buchweizen, weshalb die Gegend auch als „Hadnland“ bezeichnet wird.

Ursprünglich stammt der Buchweizen aus zentralasiatischen Hochlagen, um 1400 wurde er dann von Nomaden (wahrscheinlich waren es die Tataren und Sarazenen) nach Europa gebracht, daher bezeichnete man in vielen Gegenden auch als Tatarenmehl. Allerdings besteht daneben auch die Theorie, dass der Buchweizen schon viel früher heimisch geworden war, denn bei Ausgrabungen in Deutschland wurden dem Buchweizen ähnliche Körner gefunden, welche aus der Bronzezeit stammten.

Der Buchweizen wird in Österreich als Heiden, Hadn oder Schwarzplenten bezeichnet und ist hier eine Kulturpflanze mit langer Anbautradition. Die Bezeichnung Heidn/ Haden bezieht sich auf die wahrscheinliche Herkunft des Buchweizens, der aus nichtchristlichen, islamischen Ländern stammen soll – also von „Heiden“! Vermutlich von Italien kommend wurde die Körnerfrucht nach Österreich eingeführt und hier im Jahre 1442 erstmals urkundlich erwähnt. Als Nahrungsmittel fand Buchweizen im Mittelalter schnell weite Verbreitung. Besonders in Kärnten, Teilen der Steiermark und Südtirol wurde die Pflanze in großen Mengen kultiviert. In den traditionellen Anbaugebieten zählen Speisen aus Buchweizen zu den bäuerlichen Alltagsgerichten.

Früher wurde das Heidekorn in gemeinsamer Arbeit geschält; hierfür hat man das Erntegut in der Winterzeit um den warmen Stubenofen herum ausgebreitet und ist mit schweren Holzschuhen auf den Körnern herumgetrampelt, bis die Schalen abfielen. Der so entstandene „Hadnbrein“ wurde in Milch oder Wasser gedünstet als Brei verzehrt, fand als Wurstfülle Verwendung oder wurde zu Vollkornmehl gemahlen, dass dann für die Sterzzubereitung verwendet wurde; so wurde der Sterz im Kärnten des 16. u. 17. Jahrhunderts meist nur aus Heiden zubereitet.

Der Buchweizen selbst zeichnet sich durch eine sehr kurze Vegetationszeit aus. Er trägt in ca. 12 Wochen nach seiner Aussaat seine Früchte, wodurch manchmal sogar zweimal im Jahr gesät und geerntet werden kann. Die Pflanze wird ca. 60 cm hoch, die Blätter sind gestreckt herzförmig und umgreifen den Stengel wie ein Kragen. Die Blüten sind weiß bis rosa, sehr auffallend ist der durch Knoten gegliederte Stengel, der der Pflanzenfamilie seinen Namen gab. Die ungeschälten Früchte sind dreieckig und dunkelbraun. Buchweizen ist reich an Kalium, Kalzium, Magnesium, Eisen, Kieselsäure sowie an den Vitaminen B1, B2 und vor allem Vitamin E, zudem verfügt er über sehr hochwertiges Eiweiß.

Obwohl der Anbau von Buchweizen viele Vorteile hat, ist er in den meisten traditionellen Buchweizengebieten rückläufig oder teilweise sogar schon ganz aufgegeben worden. Nur mehr in wenigen Gegenden, wie eben dem Jauntal, hat er noch gewisse Bedeutung – allerdings erlebt er zur Zeit, insbesondere in der Vollwertküche, so etwas wie eine Renaissance. Vor allem die Landwirtschaft des Schlosses Leifling hat sich – zusammen mit zahlreichen Land- und Gastwirten in der Region – sehr um die Erhaltung und Verbreitung des Buchweizens verdient gemacht; so wird z.B. dem Heiden zu Ehren jedes Jahr ein „Hadnfest“ veranstaltet.

Die Vorteile, welche der Buchweizen einst einer extensiven Landwirtschaft gebracht hatte, sind heute kaum oder sogar gar nicht mehr gefragt. Da der Buchweizen auch auf sehr kargen Boden gedeiht, wurde er früher als Pionierpflanze genutzt, welche sehr oft die erste Kulturpflanze auf frisch gerodeten und urbar gemachten Landstrichen bildete. Wenn sich der Boden dann in fruchtbares Kulturland verwandelt hatte, musste er den anspruchsvolleren Getreidesorten weichen. Die Genügsamkeit des Buchweizens geht sogar so weit, dass er auf Zugaben von Kunstdünger und Stallmist eher negativ reagiert; er entwickelt bei Düngung zwar Blätter, aber keine Blüten und damit auch keine Früchte. Buchweizen gedeiht am besten auf Heide- und Sandböden, vorausgesetzt, das Klima ist nicht zu nass.

Noch im Jahre 1862 bemerkt Mattias Lexe im „Kärntischen Wörterbuch“, dass aus dem Heiden die „kärntisch, steirische Nationalspeise der Sterz“ zubereitet werde und zitiert dazu ein Hirtenlied aus St. Gertraud:

„I koch enk in der Milch an Brein

und werf a Stückerl Butter drein,

oder i koch dir an Sterz,

sag nur, wie’s dir is umb’s Herz.“

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