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Tradiční lázeňské oplatky Kolonáda - kulaté

Tschechien
Süßwaren
Marienbader - die bekanntesten Oblaten von Opavia in Tschechien!

Johann Wolfgang von Goethe hatte Pech: Er war zwar auf Kur in Marienbad (heute Mariánske Lázne), versäumte aber im Gegensatz zu Johann Strauß, Franz Kafka oder auch zum englischen König Edward VII. die Kurbad-Waffeln - zumindest die offiziellen, denn privat hergestellte gab es schon zu seinen Lebzeiten. Die wahren "Kolonáda" mit Nüssen, Vanille, Zimt und Zucker allerdings werden erst seit 150 Jahren in Marienbad hergestellt, seit der Wende unter französischer Ägide und dem Jahre 1856. Nur Karlsbader Oblaten sind noch berühmter.

Als Begründer der industriellen Fertigung gilt Karel Reitenberger, Neffe des Marienbad-Gründers und Abtes Karl Kaspar Reitenberger. Die Waffeln wurden fast hundert Jahre lang in der Bäckerei an der Hauptstraße produziert. Die Machtergreifung der Kommunisten 1947 aber änderte alles. Der Experte Josef Homolka, mit Versprechungen aus dem Wiener Exil heim gelockt, investierte 180.000 Kronen, um das schwer beschädigte Gebäude zu renovieren. Ab 1949 machte ihm eine neu erbaute, staatliche Fabrik Konkurrenz, bis zur Zwangsvereinigung ein Jahr später. Nach zahlreichen Umbenennungen heißen die Waffeln seit 1974 wieder Kolonáda. Inzwischen werden sie in fünf Geschmacksrichtungen hergestellt.

Große Verunsicherung herrschte im Waffelwerk nach der Wende. Denn das staatliche Unternehmen Cokoládovny, zu dem man gehörte, konnte nicht überleben. Nach der Umwandlung in eine Aktiengesellschaft gingen 43 Prozent der Cokoládovny-­Anteile an "Copart", ein Gemeinschaftsunternehmen der französischen Danone­-Gruppe und des Schweizer Nestlé­ Konzerns. Eine Vertragsklausel verbot sieben Jahre lang die Filetierung. Als es 1999 so weit war, gehörten 96 Prozent Copart. Die beiden Riesen trennten sich: Nestlé Cokoládovny konzentrierte sich auf Nestlé­-Produkte, während sich Danone auf die Traditionen besann und den Unternehmensteil in "Opavia­LU" umbenannte. Kuchen und Gebäck aus dem schlesischen Opava (Troppau) sind noch älter als die Waffeln aus Marienbad: Amalie und Kaspar Fiedor gründeten 1840 eine Waffelbäckerei. Später lieferten sie Biskuits, Teegebäck und das traditionelle Ingwer­brot in alle Teile der Monarchie. 1928 hatte der Familienbetrieb 450 Beschäftigte. Erst als die Nachfahren nach dem Zweiten Weltkrieg vertrieben wurden, ging es mit der Produktion bergab. Opavia wurde, wie fast 200 andere, Teil des Konzerns Cokoládovny. Zu Opavia­LU gehört heute neben Opavia und Kolonáda auch der Hersteller Deli in Lovosice. Das erfolgreichste Produkt ist Opavias "Tatranka": 97 Prozent aller Tschechen kennen die Marke.

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