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Salzburger Weißbierbrauerei

Österreich
Bierbrauer
Österreichs älteste Weißbierbrauerei

Das Salzburger Weissbier hat eine mehr als hundertjährige Tradition und die „Salzburger Weissbierbrauerei“ ist zugleich die älteste von Österreich. Die Geschichte der Brauerei beginnt um 1900, als der deutsche Brauer, Abenteurer und Großwildjäger Adelbert Behr mit seiner Frau Kreszenzia aus Südafrika wieder nach Europa zurückkehrte.

Behr wollte nach Jahren der Wanderschaft und Reisen endlich sesshaft werden und eine Brauerei betreiben. Zunächst kam er nach München, dort war er aber den Behörden suspekt und so regte er eine Verwandte, eine gewisse Frau Creszenz Wiesböck, an für ihn - sozusagen als "Strohfrau" - den Rupertihof in der Rupertgasse in der Salzburger Vorstadt Schallmoos zu erwerben. Im September 1900 wurden Pläne für den Bau einer Weißbierbrauerei eingereicht und vom hochlöblichen Magistrat der Stadt Salzburg genehmigt. Bereits im darauffolgenden Jänner 1901 konnte die gesamte Anlage fertiggestellt werden und 2 Jahre später, im Jahre 1903 konnte das Ehepaar Behr dann endlich selber die Weißbierbrauerei übernehmen.

Das Hauptgebäude der Weißbierbrauerei war ein wunderschöner neoklassizistischer Bau des berühmten Salzburger Architekten und Baumeisters Ceconi. Im Erdgeschoss befanden sich Gasträume und die Küche. Bemerkenswert sind die vielen afrikanischen Jagdtrophäen, welche Adelbert Behr aus Transvaal mitgebracht hatte und die bis heute in den Gasträumen an den Wänden hängen.

Die eigentliche Brauerei war in einem kleinen Anbau im Hof untergebracht, ohne Keller aus roten Ziegeln aufgemauert mit einem Blechdach. Es gab ein Sudhaus mit eiserner Pfanne (12 HL) und auf einer Metallbühne war der Läuterbottich ca. 2,50 m über dem Fußbodenniveau aufgestellt. Mittels Ledertreibriemen und einer Transmission wurden die verschiedenen Antriebe und Pumpen betrieben. Der nächste Raum war ein offener Heizraum, wo anfangs mit Kohle geheizt und nach dem Krieg eine äußerst einfache, direkte Gasbefeuerung eingebaut wurde. Die Gasflamme brannte immer an der selben Stelle der Pfanne und es war sorgfältig darauf zu achten, dass die Maische stets in Bewegung war und nicht anbrannte.

Von diesem Raum gab es eine steile Stiege in den ersten Stock, wo sich das Malzlager mit der Malzmühle befand. Von dort ging es weiter zum eisernen Kühlschiff, welches mit kupfernen Kühlschlangen ausgestattet war. Im Erdgeschoss gab es dann noch den Gärkeller mit einem offenen Holzbottich.

In den Zwanziger und Dreißiger Jahren war die Weisse ein Zentrum des aufkeimenden Deutschtums. Adelbert Behr verstarb im Juli 1931 und wurde in einer Gruft an der Felswand des Friedhof St. Peter beigesetzt. Seine Witwe verkaufte 1936 die Salzburger Weißbierbrauerei an den Schweizer Brauereibesitzer Adolph Bibus, welcher in Bern die Sternli-Brauerei besaß. Dessen Nachfolger war sein Sohn Ing. Hans Bibus. Da es damals nicht so einfach war von Bern aus den Salzburger Betrieb zu verwalten, hatte der renommierte Salzburger Anwalt und Präsident der Salzburger Stiftung Mozarteum Dr. Friedrich Gehmacher die Vertretung in vielen Angelegenheiten der Familie Bibus. Gegen Ende des 2. Weltkrieges wurde Salzburg das Ziel amerikanischer Fliegerangriffe.

Das Bombardement am 17. November 1944 galt strategischen Zielen, irrtümlich haben die Bomben aber statt den Hauptbahnhof die „Weissbier-Brauerei“ getroffen und total zerstört. Der damalige Brauer und seine Frau waren unter den beklagenswerten Todesopfern dieses tragischen Ereignisses.

Bereits 1948 wurde der Wiederaufbau nach den Plänen der Salzburger Architekten Geppert & Holzinger vom benachbarten Stadtbaumeister Franz Haubner voller Zuversicht in Angriff genommen. Kaum zu glauben, der Wiederaufbau kostete ohne Einrichtung 18.000,- Euro. Im Neubau - nun Rupertihof genannt - wurde auch ein Hotel mit 28 Zimmern untergebracht.

Zur Zeit des 50zigsten Jahrestages der Gründung der Brauerei, also im Jahr 1951 führte das Ehepaar Proto die Brauerei und das Pächter-Ehepaar Treipl kümmerte sich bis 1973 um den Betrieb von Hotel und Gastronomie. Die in der ganzen Stadt bekannte und geschätzte Kellnerin Mali Brugger sorgte für flotten Service.

Die recht einfache, aber mühevolle Bierproduktion betrieb der aus Bayern stammende Braumeister Otto Ratgeber. Man muss bemerken, dass damals Weißbier in Österreich in Vergessenheit geraten und nahezu unbekannt war. Die kleine Salzburger Brauerei war die einzige Braustätte, wo diese Biersorte noch erzeugt wurde. Erst Dipl. Ing. Braumeister Josef Sigl aus Obertrum hat in den späten 60er Jahren in Zusammenarbeit mit einer Traunsteiner Brauerei die Produktion von Weißbier in Österreich wieder begonnen und den Markennamen Weizengold hiefür gefunden.

Die wechselvolle Geschichte fand 1973 eine neue Wende, als die gesamte Liegenschaft an das Land Salzburg verkauft wurde und die Landesnervenklinik im Hauptgebäude ein Heim für Krankenschwestern einrichtete.

Nun hieß es zum zweiten Mal in die Sommerausschank zu übersiedeln, in welcher bereits nach dem Krieg provisorisch ein kleines Stüberl eingerichtet war. Die große und treue Schar der Stammgäste schritt selbst zur Tat und übersiedelte die Schankbudl, jeder brachte Bilder, Beleuchtungskörper, Tische oder Sessel mit und gestaltete so ganz individuell ihr zweites Zuhause.

1987 hatte die Landesnervenklinik keine Verwendung mehr für die Liegenschaft und der damalige Landeshauptmann Dr. Wilfried Haslauer verkaufte den Rupertihof samt Brauerei an Hans Georg Gmachl. Dieser renovierte innerhalb von wenigen Tagen das legendäre Stüberl und eröffnete am 11. Juli 1987 auch wieder den schönen Kastaniengarten.

1999 wurde ein neues Gebäude in der Bayerhamerstraße errichtet und dort ein neues Zweigeräte Sudwerk aufgestellt. Das Sudhaus hat eine Kapazität von 20 HL/ Sud und wird mit Dampf beheizt, was sich sehr schonend auf die Kochung der Maische auswirkt. Im Kellergeschoss, das sich zum überwiegenden Teil unter dem Gastgarten befindet, sind die Manipulationsräume, der Gärkeller und die Lager untergebracht.

Da in der "Weissen" nunmehr seit über 100 Jahren, nur mit einer kurzen Unterbrechung wegen der Kriegsschäden, immer Weißbier gebraut wurde, gilt diese zu Recht als Österreichs älteste Weißbierbrauerei. Die „Weisse“ ist auch die einzige historische Kleinbrauerei Österreichs, die nach wie vor in Betrieb ist. Im Gründungsjahr 1901 gab es im Land Salzburg insgesamt an die 60 Brauereien, nach Jahresausstoß geordnet: Kaltenhausen, Stiegl, Guggenthal, Sternbräu, Gablerbräu, Moser-Henndorf und übrige 54 kleine Brauereien, eine davon war die Weißbierbrauerei.

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