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​Zwei mit einer Klappe: Im Bundesland Nordrhein-Westfalen verführen gleich zwei Küchenstile unter einer Grenze: In Westfalen dreht sich alles um die Wurst und die Rheinländer schätzen ihren Sauerbraten. Kleinster gemeinsamer Nenner? Das Bier.

Das Bundesland Nordrhein-Westfalen entstand erst Mitte des 20. Jahrhunderts aus den drei Landesteilen Rheinland, Westfalen und Lippe - Vorrang hatten dabei die wirtschaftlichen Belange. Für die lebenslustigen Rheinländer und die zurückhaltenden Westfalen mit ihrem eher norddeutschen Temperament war es schwierig, ein wirkliches gemeinsames Regionalbewusstsein zu entwickeln. Der dritte Landesteil Lippe kann zudem auf eine fast 800-jährige Selbständigkeit zurück blicken und wird auch heute noch als eher eigenständige Region angesehen. Im Zuge dessen muss also gleich festgestellt werden: eine typische nordrein-westfälische, einheitliche Küche, die gibt es nicht. In Westfalen dreht sich alles um die Wurst. Die Westfalen lieben Fleisch, insbesondere Schinken - und natürlich Pumpernickel. Rheinländer schätzen ihren Sauerbraten sowie Muscheln in Weißwein (obwohl das Gericht nicht aus dem Rheinland stammt). Was beide Länder aber gemeinsam haben? Ihre Leidenschaft zum Bier.

Gut, nahrhaft, sättigend und bezahlbar: so die Grundtendenzen der westfälischen Küche, die auf eine lange Tradition zurückgreift - der Überlieferung nach sollen die Germanen unter Arminius damals vor 2000 Jahren im Teutoburger Wald so entschlossen und heldenhaft gegen die verhassten Römer gekämpft haben, weil sie fürchteten, ihre gute, bodenständige Küche mit viel Fleisch und Fett würde von den Römern gegen deren, für einen Germanen unzumutbare, Delikatessen ausgetauscht werden. Ob dies sich so abgespielt hat, dafür können wir unsere Hand nichts ins Feuer legen, eine schöne Geschichte ist es aber allemal und eine nette Anekdote für die heutige Liebe der Westfalen für Schinken und Fleischgerichte sowieso. Zu den Spezialitäten gehören Pfefferpotthast, ein Eintopf aus Rindfleisch und Zwiebeln, der bereits im 14. Jhdt. in einer Dortmunder chronik erwähnt wurde. Panhas, eine Fleischpastete mit Buchweizenmehl sowie Münsterländer Töttchen, gekochtes Kalbfleisch mit einer Zwiebel-Senf-Soße sind weitere Spezialitäten, die man als Laie der westfälischen Küche unbedingt kosten muss! Unbedingt muss man auch den geräucherten und luftgetrockneten Westfälischen Schinken erwähnen und Pumpernickel, ein lange haltbares dunkles Sauerteigbrot aus Roggenvollkornmehl. Ansonsten folgt die westfälsche Küche als eher norddeutsche Küche den Prinzipien, die für Deutschlands Regionen nördlich des "Weißwurstäquators" typisch sind: Grünkohl und Rotkohl statt Blaukohl, wenig Schmalz, wenig Knoblauch, sowie der Hang zu Süßem und Süß-Saurem in Kombination mit Deftigem.

Die rheinische Küche ist ebenfalls recht bodenständig, doch im Vergleich zur Westfälischen Küche etwas raffinierter. Weit über die Grenzen Nordrhein-Westfalens hinaus ist beispielsweise das rheinische "Himmel und Erde" bekannt, ein Gericht, das aus Stampfkartoffeln und Apfelmus besteht und erst zusammen mit gebratener Blutwurst oder Bratwurst und Speck so richtig vollständig ist. Und dass das der rheinische Teil des Bundeslandes auch Fleischgenüse deluxe zubreiten kann, beweist der Klassiker der Region, der Rheinische Sauerbraten, der weniger sauer ist als die schwäbische Variante und mit Apfelmus und Kartoffelklößen als klassischer Beilage serviert wird.

Neben Fleisch gehört Bier in Nordrhein-Westfalen zu den Grundnahrungsmitteln. Bei einem Besuch in Köln oder Düsseldorf kommt man an vielem vorbei, nicht aber am Kölsch. Kaum eine andere Stadt hat so viele Brauereien wie Köln. Dieses Überangebot an Bier (neben dem Kölsch wird Pils und Altbier getrunken) wird natürlich genutzt und da ein, zwei, drei Bier intus bekanntlich auch kreativ machen, gibt's auch allerlei leckere Bierrezepte wie beispielsweise die, bei einem Blick auf die Zutatenliste, etwas ungewöhnlich anmutende Münsterländer Biersuppe. Die Basis bilden Malzbier, Milch, Rosinen und Vanille. Im südwestlichen Landesteil, am Rhein entlang, wird hingegen Wein bevorzugt. Aber nicht nur das Bierbrauen und der Weinanbau haben hier lange Tradition, sondern auch die Schnapsbrennerei. Im Süden des Teutoburger Waldes liegt die Gemeinde Steinhagen. Dort wurde nachweislich schon im 16. Jh. Schnaps aus Korn und Wachholder gebrannt. 1688 allerdings wäre es mit dem “Steinhäger” fast aus gewesen, denn der Kurfürst verbot das Schnapsbrennen, da das Brotgetreide knapp wurde. Auf Grund der außerordentlich guten Qualität gab es für den “Steinhäger” jedoch eine Sondererlaubnis und er durfte weiter gebrannt werden - bis heute.

Ungleich und ungleich gesellt sich bekanntlich gern. Gut, so ungleich sind sich die westfälische und rheinische Küche nun auch wieder nicht, aber das umgeformte Sprichtwort hat sich gerade so angeboten, da tun wir einfach mal so, als ob. Also: Ungleich und ungleich gesellt sich gern und im Falle von Nordrhein-Westfalen ergab sich aus der Symbiose der rheinischen und westfälischen Küche ein besonders vielseitiges kulinarisches Paradies, das es sich zu entdecken und verköstigen lohnt.

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