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Masowien

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Masowien: die Wiege der polnischen Dichtkunst, die Mutter Warschaus und das Land der verschiedenen kulinarischen Genüsse.

Natürliche Flusstäler an der Weichsel, Bug und Narew, Ortschaften mit reicher Geschichte, bezaubernde Denkmäler und tiefe Wälder: Masowien ist als Region den meisten aufgrund der darin gelegenen Hauptstadt Polens, Warschau, ein Begriff, doch obwohl die größte polnische Stadt im Herzen der Region liegt, hat sie doch viel von ihrem natürlichen Charakter bewahrt. Was deshalb zu Recht folgt, ist eine kleine Liste Masowischer Besonderheiten rundum und fernab von Warschau:

1) Die Wiege der polnischen Dichterei befindet sich in Masowien, genauer gesagt in Czarnolas, wo Jan Kochanowski lebte und seine Werke schuf. In Żelazowa Wola wurde der berühmteste polnische Komponist Frédéric Chopin geboren, der später die ersten 20 Jahre seines Lebens in Warschau verbrachte und dort ausgebildet wurde.

2) Im malerisch an der Weichselböschung gelegenen Płock (übrigens der ehemaligen Hauptstadt Masowiens (bis 1194)), auf dem Tumski Hügel befindet sich jene gotische Kathedrale, in der einer der größten Herrscher Polens begraben liegt: Bolesław III. Schiefmund.

3) Pułtusk, eine am Narew gelegene Kreisstadt, rühmt sich als das Venedig von Masowien, da das Zentrum auf einer von Kanälen umflossenen Insel liegt.

4) Kulinarisch erweist sich Masowien als eine Malereipalette: bunt, vielfältig, aufregend. Oder anders gesagt: Eine spezifische regionale Masowische Küche, die gibt es nicht. Früher dominierten Milchprodukte die bäuerliche Küche des Landes (und noch heute ist Masowien führend in der Milchproduktion des Landes), während die Adeligen sich an Geflügel, Gänse, Huhn und Ente labten. Heutzutage ein Fazit zu ziehen, stellt ein Ding der Unmöglichkeit dar. Tendenzen sind die aus den Wäldern stammenden Produkte wie Beeren, Honig und Pilze, der Fisch aus den nahe gelegenen Seen und Teichen und in den fernab von Wasser und Wäldern gelegenen Ortschaften die Mehlspeisen und Knödel.

5) Den kulinarischen Vergleich muss Masowien auf jeden Fall nicht scheuen, ganz besonders nicht, wenn das Stichwort „Obstanbau“ fällt: mehr als die Hälfte der Äpfel und 25% der Erdbeeren in Polen wachsen in der facettenreichen Woiwodschaft.

6) Kulinarisch am relevantesten ist der Nordosten Masowiens. In der an der Narew gelegenen Gegend um Ostrołęka und Łomża, auf dem Gebiet des Weißen und des Grünen Urwaldes, liegt Kurpien (Kurpiowszczyzna), wo Sitten, Bräuche und die traditionelle regionale Küche mit großer Sorgfalt gepflegt werden. Hier lassen sich ausgezeichnet schmeckende Speisen verköstigen, die seit Jahrhunderten im Grenzgebiet der drei Landschaften Masowien, Masuren und Podlachien verzehrt werden. Die Wurstwaren von Kurpien beispielsweise sind berühmt wegen ihres Räucherverfahrens über Wacholderholz. Und apropos Wacholder: der bietet auch die Grundlage für das regionale Bier, das Wacholderbier.

Zuletzt dürfen ein, zwei Sätze überWarschau, der Stadt der Gegensätze, aber natürlich dennoch nicht fehlen, ist es doch zu vielfältig, um es nicht zu tun, und zu facettenreich, um es in einem Satz charakterisieren könnte. Es hat Geschichte, dadurch Tiefe, es hat Moderne, somit Globalität, es hat Tradition, deshalb einen genuinen Charakter. Obgleich bereits stark verwestlicht, besonders im Stadtzentrum am linken Ufer der Weichsel, ist die Freiheit vom Sozialismus immer noch jung und die Gesellschaft immer noch im Aufbruch, der Staat im Aufbau. Moderne Wolkenkratzer werfen Schatten auf barocke oder kommunistische Bauten, symmetrische Baumalleen wiederum auf teure Autos oder triste Bushaltestellen. Die praktisch aus Trümmern nach dem zweiten Weltkrieg liebevoll wieder aufgebaute Hauptstadt hat sich in eine pulsierende, dynamische Metropole verwandelt, in der moderne Hochhäuser und Geschäftszentren wie Pilze aus dem Boden schießen. DieMischung des Alten mit dem Neuen, was sich sowohl im geistigen Sinne wie im Antlitz der Hauptstadt äußert, sieht man fast an jeder Ecke in Warschau. Zu sehen gibt es – wie sollte es bei einer solchen Hauptstadt anders sein – Zahlreiches. Zu den besonderen Sehenswürdigkeiten der polnischen Hauptstadt gehört der Palast der Kultur und Wissenschaft bzw.Kulturpalast, ein dominanter Bau - ein aus der kommunistischen Zeit stammendes Geschenk von Stalin an das Brudervolk. Sehenswert ist auch die (jüngste) Altstadt (Europas), empfehlenswert ein Spaziergang durch den Königsweg und wärmstens ans Herz gelegt auch ein Besuch des jüdischen Gettos.

Auch kulinarisch und gastronomisch hat Warschau in den letzten Jahren eine radikale Wandlung durchgemacht. Vom Einheitsbrei der sozialistischen Restaurants blieb kaum etwas übrig. Eine Empfehlung an dieser Stelle:die Milchbar (bar mleczny),ein Relikt des Sozialismus. Diese schlichten Kantinen haben den gastronomischen Wandel nicht nur überlebt, sie sind in den letzten Jahren regelrecht wiederentdeckt worden - weil man hier einfach, schnell und unschlagbar günstig etwas zu essen bekommt. Aufgetischt wird, was die Polen auch zu Hause selbst zubereiten:bigos, Piroggen, Schweinekoteletts, Kartoffelpuffer, Klöße, Pfannkuchen. Eine der besten Milchbars der Stadt ist dieRusałkaim Stadtteil Praga. Und wem läuft bei den Warschauer Klassikern wie gebackener Ente und dazu ein heißer Apfel mit Beerenfüllung, gereicht mit Kartoffeln oder Klößen oder dem Warschauer „Berliner“ (hier: „pączek“), der hier ganz anders schmeckt, nicht das Wasser im Mund zusammen? Am besten bei dem traditionsreichen Kondidor Wedel in der Straße Nowy Świat probieren! Hier bekommt man außerdem das berühmte Schoko-Waffel-Törtchen „Torcik Wedlowski“ und Polens beste Schokolade – die Rezeptur verleiht ihr einen unverkennbaren, besonderen Geschmack und ist eine schöne Geschenkidee. Nicht unerwähnt bleiben dürfen auch die warmen, ofenfrischen Pączki, die in der Chmielna Straße mit verschiedenen Füllungen, z.B. Rosenkonfitüre, aus einem schlichten Fenster in der Hauswand verkauft werden. Nicht zu verpassen dank des Duftes, der die Straße an dieser Stelle erfüllt. Und Mutige und auch solche, die es normalerweise nicht sind, sollten vor den "flaki" (wörtlich: Gedärme) nicht zurückschrecken, eine klare und scharfe Kuttelsuppe. Klingt nicht nur besonders, ist sie auch!

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