Menschen

Gugelhupfformen/Silberkammer

Österreich
Museum
Seelenproviant und Kaisermelange

Kaiser Franz Joseph war für seine spartanische Lebensweise bekannt – er wollte damit Bescheidenheit und Volksnähe dokumentieren. Sein einziges Seelenglück fand er offenbar bei seiner Geliebten, der Burgschauspielerin Katharina Schratt, die ein kleines Palais neben Schönbrunn bewohnte. Geliebte zu haben war damals nichts Anrüchiges, ganz im Gegenteil. Kaiserin Elisabeth höchstpersönlich soll die Dame ausgewählt und ihrem Mann zugeführt haben. Und weil bekannt war, dass sich der Monarch bereits als Elfjähriger für Gugelhupf begeisterte, wurde die Schratt angewiesen, den Kaiser beim zweiten Frühstück oder zur Nachmittagsjause sowohl mit diesem kulinarischen als auch mit ihrem ganz intimen »Seelenproviant« zu trösten.
Der Gugelhupf ist wahrscheinlich nach der kugelförmigen Kopfbedeckung der Wiener Marktfrauen benannt, doch es gibt daneben auch die Theorie, dass er seinen Namen dem Umstand verdankt, dass der Hefeteig beim Aufgehen und Backen »wie eine Kugel aufhupft«.
Obwohl der Kaiser selbst kein Gourmet war, sind dennoch neben dem Kaisergugelhupf (muss Mandeln und Sultaninen enthalten) viele weitere Gerichte der Wiener Küche nach ihm benannt wurden: Kaisergulasch, Kaiserschmarren oder Kaisersemmel beispielsweise sowie die Kaisermelange, ein kleiner gestreckter Kaffee, der mit einem Eidotter und zwei Kaffeelöffeln Honig verrührt und mit einem Schuss Cognac in einer großen Mokkaschale serviert wird.
Die Silberkammer der Hofburg ist mit ihren Gugelhupfformen, Geschirrkisten, Porzellantellern und Kristallgläsern trotz aller royalen Bescheidenheit ein historisches Andenken an Pomp und Luxus unter dem Doppeladler. Franz Joseph selbst konnte zeremoniellen Hoftafeln, all dem Prunk sowie seinem Beruf »Kaiser« nur wenig abgewinnen. Im Zuge einer Volkszählung soll er bei »ausgeübte Tätigkeit« vermerkt haben: selbstständiger Beamter …

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