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Mercat de St. Josep

la Boqueria
Märkte & Markthallen
la Boqueria - im Zentrum der "Mundversorger"

Wer eine unverfälschtere und urtümlichere katalanische Küche sucht, als sie in den meisten Restaurants im Zentrum Barcelonas geboten wird, der begibt sich in kleinere Vorstadtgasthäuser der Einheimischen (welche aber zumeist schwer auszumachen sind) oder geht zum berühmten Mercat de St. Josep, dem größten Markt Spaniens. Es ist dies unzweifelhaft einer der schönsten, bestsortierten und beeindruckendsten Lebensmittelmärkte der Welt. Dem erstaunten Touristen verschlägt es meist die Sprache, der kundige Genießer denkt nur an seinen Appetit, welcher möglichst groß zu sein hat, um all die Köstlichkeiten verkosten zu können!

La Boquería, wie der Markt im Volksmund heißt, steht auf den Grundmauern eines alten Mönchsklosters der Karmeliter und blickt auf eine seltsame Entstehungsgeschichte zurück, welche genaugenommen wie ein unwirkliches Märchen klingt. Zwar gab es an diesem Abschnitt der Ramblas bereits einen Markt, als hier noch der Stadtrand lag, doch es handelte sich nur um einen kleinen Bauernmarkt. Von diesem soll auch der Name la Boquería herstammen, was soviel bedeutet wie „Platz für den Handel mit Ziegenbock-Fleisch“. Doch erst im 19. Jahrhundert konnte die eiserne Markthallen-Konstruktion errichtet werden, weil der Platz im wahrsten Sinne des Wortes „frei gelegt“ wurde. Ein ehemaliger Putschist namens Juan Álvarez Mendizábal wurde in seinem Londoner Exil zunächst von den Vorteilen des Liberalismus überzeugt, bevor er 1835 nach Spanien zurückkehren konnte und unter Königin Isabel II. Finanzminister wurde. Um den katastrophalen Staatshaushalt zu sanieren, griff er zu einem gleichermaßen einfachen, wie drastisch-effektivem Mittel: er ließ kurzerhand die Kirche enteignen und ihre unermesslich erscheinenden Reichtümer versteigern. Er machte sich dabei die Tatsache zu Nutze, dass einige extreme Anarchisten zuvor schon begannen, Klöster niederzubrennen, insbesondere in Barcelona. So auch die beiden, auf dem heute der Markt St. Josep steht. Und daher befindet sich heute an der Stelle, wo einst fromme Mönche beteten, der Markt der Boqueriá. Aber da Kirche und gutes Essen schon immer im Naheverhältnis standen, ist das wohl schon in Ordnung so. 1853 erhielt der Markt so etwas wie einen "offiziellen Charakter". 1911 wurde der neue Fischmarkt eröffnet und 1914 wurde das Metalldach samt der imposanten Glaskonstruktion fertiggestellt.
Heute ist die Boqueriá Umschlagplatz für nahezu alles, was das kulinarische Herz begehrt, von frischen Meeresfrüchten und Fischen über Fleisch, Schinken und Wurstwaren aller Art bis hin zu Käsen, Milchprodukten, Pilzen, Obst und Gemüsen aller Couleur und Herkunft. Aber auch Delikatessen, wie Edelkonserven (wie z.B. die berühmten hueva de mújol (getrockneter Kaviar von der Meeräsche) oder mojama (gepökeltes Thunfischfilet), Innereien (von Kutteln bis Hammelhoden), Hahnenkämme, Schnecken, Seeigel oder Trüffel werden hier feilgeboten. Selbstverständlich kommt auch dem wertvollstes Schinken Spaniens, nämlich dem Bellota, hier eine prominente Bedeutung zu. Kein Wunder, dass die berühmtesten Küchenchefs von Barcelona und Katalanien hier genauso begeistert einkaufen, wie die Bevölkerung selbst.
Aber der Besucher kann hier nicht nur aus einem Angebot von mehr als 300 Marktständen wählen, sondern sich auch in einer der zahlreichen Taparias kulinarisch delektieren. Ja, hier findet man sie noch, die traditionellen Gerichte wie pa amb tomàque (Tomatenbrot), alioli (im Original, ohne Ei zubereitet!), gambas al ajillo (Knoblauchgarnelen), navajas a la plancha (Schwertmuscheln von der Grillplatte), chipirones fritos (Kleine frittierte Kalamare), arròs amb conil (Reis mit Kaninchen), busano (Herkuleskeulen), caracoles con sobrasada (Schnecken mit Paprikawurst), bacalao (Stockfisch), tortilla (Eierkuchen), escudella i carn d’olla (Katalanischer Fleisch-Gemüse-Eintopf) oder die in Nordspanien so beliebten pies de cerdo (Gekochte Schweinsfüße).
Spezialitäten aus vielen anderen Spanischen Regionen gehören ebenfalls zum ständigen Repertoire und können hier nach Lust und Laune verkostet werden, wie z.B. pulpo alla gallega (Oktopus nach Galizischer Art), percebes (Entenmuscheln aus dem Baskenland), angulas (junge Glasaale; eine kulinarische Sensation), callos (Kutteln), chorizo en sidra (Paprikawurst im Cidre gekocht), caldereta (Lammfleischeintopf) oder die empanada (gefüllte Pastetchen) in unzähligen Variationen.
Barcelona ist auch eine Stadt der Schokolade und zeigt auf diesem Sektor eine unglaublich raffinierte Mischung von Tradition und Avantgarde. Als süßer Abschluss dienen gerne auch die allseits beliebte crema catalana, ein zartschmelzendes Schokoladenkonfekt oder granissat de cava (Granita aus Cava).
Dazu trinkt man Bier, Wein, Sidra und Cava in derart beträchtlichen Mengen, dass sich der Genießer unweigerlich seinem Schlaraffenland nahe fühlt und eigentlich gar nicht mehr fortgehen möchte, um auch ja keine Gaumenfreude zu versäumen.
Vor einem ausgiebigem Schmaus sollten übrigens variantes (ein Gemisch aus Oliven mit Knoblauch und Pickels, in pikanter Marinade) den Gaumen vorbereiten. Und der geschulte Connaisseur nimmt nach dem opulenten Mahl gerne noch ein paar almendras (Mandeln) als Knabberei zum "ich weiß nicht mehr wie vieltem" Gläschen Alella- oder Penedés Wein. Das besonders schöne an diesem Markt ist, dass er - allen Touristenströmen zum Trotz - ein typisch katalonischer Markt ist und damit fast so etwas wie die "letzte Bastion" der hiesigen Regionalküche im Herzen Barcelonas darstellt.
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