Menschen

Nestroy-Denkmal

Österreich
Denkmal  Statue
Des Essens Possen

Er war kein leicht zu Verstehender, der Johann Nepomuk Nestroy (1801–1862) und – von Ferdinand Raimund einmal abgesehen – sicher die größte, subtilste, exzentrischste, originellste, humorvollste und wichtigste Figur der Alt-Wiener Volkskomödie. Unvergessen sind Bühnenwerke wie »Der böse Geist Lumpazivagabundus«, »Zu ebener Erde und erster Stock«, »Der Talisman« oder »Einen Jux will er sich machen«, die beim Publikum gleichermaßen für Lachkrämpfe sorgen wie zum Nachdenken anregen, weil sie die eindringlichsten, subtilsten und sozialkritischsten Werke ihrer Zeit darstellen. Nestroy war der populärste Wiener Volksstückautor des Vormärz und hat von dieser Popularität nichts eingebüßt, denn bis heute zählen seine Stücke zum Standardrepertoire einer jeden guten Schauspielbühne.
Um der gestrengen Zensur des Vormärz zu entgehen, wählte er eine unglaublich raffinierte und subtile Sprache, die oft falsch oder missverstanden wurde. So galt er bei den Konservativen als bedenklicher Umstürzler und bei den Liberalen als finsterer Reaktionär, was für viele Theaterskandale von Wien bis Frankfurt sorgte.
Aber letztlich übte niemand Sozialkritik besser als er, und kein Zweiter beschrieb das kulinarische Wien seiner Zeit sprachlich so bildlich. Unzählige seiner sarkastischen Sager und ironischen Pointen wurden zu geflügelten Worten, und eine der schönsten Aphorismen über die Wiener Esskultur aller Zeiten lässt Nestroy den »Leicht« in der parodierenden Posse »Weder Lorbeerbaum noch Bettelstab« aufsagen: »Wenn das Volk nur fressen kann! Wie s' den Speisenduft wittern, da erwacht die Esslust, und wie die erwacht, legen sich alle andern Leidenschaften schlafen; sie haben keinen Zorn, keine Rührung, keine Wut, keinen Gram, keine Lieb', keinen Haß, nicht einmal eine Seel' haben s'. Nichts haben s', als einen Appetit.« Bleibt die Frage, ob sich Nestroy damit einen Jux machen wollte.

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