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Ruprechtskirche

Österreich
Statue
Brot und Salz - Gott erhalts's

Salzgurken für die »Einbrennte Hund«, Salzkapern fürs Beuschel, Sardellen-Rostbraten, Rinderzunge mit Sardellensoß, Sardellenringerl zum Wiener Schnitzel oder Sardellen-Butterbrot sind nur einige wenige Beispiele, wie wichtig eingesalzene Produkte in der Wiener Küche waren und sind. Insbesondere Salzkapern und Sardellen (oftmals gemeinsam verwendet) sind geradezu unersetzlich, waren sie doch einerseits der perfekte Geschmacksverstärker für viele Gerichte und Soßen, andererseits eine hervorragende Garnitur zu gebackenen Speisen; die »Wiener Garnitur«, welche ursprünglich zu gebackener Lammbrust serviert wurde, besteht nicht umsonst aus Zitronenvierteln, Salzkapern, Sardellen und Petersilie.
Wie wichtig das Salz war, zeigt die Tatsache, dass es im Mittelalter eine eigene Behörde gab, die den Salzhandel überwachte. Im Habsburgerreich war sie direkt dem Herrscherhaus unterstellt. In Wien befand sich das Salzamt zwischen 1500 und 1824 im sogenannten Praghaus neben der Ruprechtskirche, der Kirche der Salzschiffer, die heute das älteste erhaltene Gotteshaus Wiens ist. Die Salzer – so nannte man die Bürger, welche per kaiserlichen Edikt mit Salz handeln durften – haben im 18. Jahrhundert das Kirchlein unter ihre Fittiche genommen, was bedeutete, dass die sehr wohlhabende Zeche der Salzer für seine Renovierung und Erhaltung zuständig war.
Das Salz wurde meist per Schiff nach Wien gebracht und auf dem Salzgrieß (mit »Grieß« beschreibt man eine Flussbiegung mit Kiesablagerungen), der einstigen Schiffsanlegestelle der Salzhändler, abgeladen und gehandelt. Zu ihrer Zeit waren die Salzämter mehr oder weniger unantastbar, und es gab kaum ein Rechtsmittel gegen deren Beschlüsse. Am 1. April 1824 wurde – kein Aprilscherz – das Wiener Salzamt aufgelöst. Noch heute sagt man aber »beim Salzamt beschweren«, wenn ein Behördengang besonders sinnlos erscheint.

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