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Riesenkipfel

Friedrich Torberg meinte einmal sinngemäß, dass Wien die Stadt sei, in der Legenden noch weniger auszurotten seien als anderswo – man denke nur an Kolschitzky, die Cillykugeln oder das Wiener Schnitzel. In diesen Reigen der ganz schön unwahren Geschichten reiht sich auch das Kipfel ein, eines der traditionellsten Wiener Brauchtumsgebäcke: Es wird nämlich zu Unrecht erzählt, dass der Bäckermeister Peter Wendland seinerzeit die Türken mit diesem halbmondförmigen Gebäck verhöhnen wollte.
Tatsächlich war das Kipferl (lateinisch cippa = Spitzsäule) als »heidnisches Brauchtumsgebäck« schon viel früher bekannt und wird als Symbol für den doppelgehörnten Gott Dionysos gedeutet. Erstmals erwähnt wurde es 1227 als sogenanntes »Chiphen« im Rahmen einer Weihnachtsfeier Leopold des Glorreichen.
Seit der Barockzeit werden in der Rossau vom dortigen Servitenkloster sogenannte Peregrinikipfel an Arme und Wallfahrer verschenkt. Diese wahren Riesenkipfel aus leicht gesüßtem Weißmehlteig sind dem heiligen Peregrinus geweiht, dem Schutzpatron der Gehbehinderten. Die Pilger waren des festen Glaubens, dass der Genuss eines »Peregrinikipfels« – möglichst noch warm – die Heilung kranker Füße fördere. »Es wurde in größerer Form als die üblichen Kipfel hergestellt, und in früheren Zeiten hatte nur der Hofbäcker Ludwig Plank das Recht, dieses Heilbrot herzustellen. Eine Ladung warmer Kipfel ging unter Kaiser Ferdinand I. stets in die Hofburg, […]«, berichtet der Chronist Gustav Gugitz.
Das Peregrinikipfel wurde traditionell rund um den Peregrinitag (27. April) von Ende April bis Anfang Mai gebacken und auch am ehemaligen St. Georgsmarkt in der Rossau verkauft. Und wer sein Peregrinikipfel nicht gleich bewältigen kann, der braucht nicht lange herumzukiffeln, sondern nutzt das Verbliebene am nächsten Tag für einen feinen »Wiener Kipfel-Koch«.

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