Menschen

Votivgarten

Österreich
Gemälde
Wiener Originale

Wien ist nicht nur reich an Rezepten, sondern auch an seltsamen, liebenswerten und kreativen Individuen, welche »Wiener Originale« geheißen werden. Sie alle haben sich nicht nur durch Einzigartigkeit hervorgetan, sondern fanden auch durch musikalisches oder literarisches Können mediales Echo, das sie mitunter weit über Wiens Grenzen hinaus bekannt machte – wie zum Beispiel den mit einer Tunika bekleideten Friedensprediger »Waluliso«. Im schönen Votivgarten der »Goldenen Glocke« ist ihnen allen ein künstlerisches Denkmal in Form einer Wandmalerei gesetzt, doch zwei Figuren stechen ganz besonders hervor, nämlich der »Schuster Franz« und der »Bratfisch«.
Josef Bratfisch war seines Zeichens – so wie auch der Schuster Franz – Fiaker, dazu Sänger und Kunstpfeifer. Eine wahre Stimmungskanone soll der Bratfisch gewesen sein und vor allem durch derb-vulgäre Zoten Bekanntheit erlangt haben. Kronprinz Rudolf hatte bekanntlich nicht nur eine Schwäche für das weibliche Wesen, sondern auch eine für das einfache Leben. Daher hat ihn das lockere Umfeld des Heurigen quasi magnetisch angezogen, denn in der Anonymität des »prallen Lebens« und des »prassenden Volkes« ließ sich das wahre k.u.k. Kaleidoskop in seinem ganzen Facettenreichtum besonders gut genießen – vorm Glas sind alle gleich, heißt es.
Da der »Nockerl« (der Spitzname vom Bratfisch) dem Vernehmen nach auch ein exzellenter Koch war und der Wiener Rostbraten das Leibgericht von Kronprinz Rudolf gewesen ist, wurde der Bratfisch alsbald nicht nur zum Leibkutscher, sondern auch zum Rostbratenkoch seiner Majestät. Offenbar gefiel dem Kronprinzen der Kontext Wein-Weib-Gesang-Rostbraten.
Und der Bratfisch war es schließlich auch, der Baronesse Mary Vetsera, die Geliebte Rudolfs, zum Jagdschloss Mayerling kutschierte, wo sie gemeinsam mit dem Kronprinzen unter bis heute nicht gänzlich geklärten Umständen verstarb.

x
x
x

Warenwert :