Menschen

Wienerwald

Österreich
Naturdenkmal
Liebesnest und Speisekammer

Der Wienerwald umkränzt die Donaumetropole weitläufig und bildet zusammen mit den Weingärten die »grüne Lunge« Wiens. Seit jeher zieht es die Wiener am Wochenende hier hinaus, denn immer wieder sucht die Liebe das zart duftende Grüne. Unzählige Liebespaare hat der Wienerwald gesehen und noch mehr Küsse gezählt und wenn es gilt, diskret zu sein, verschließt er wissend lächelnd die Augen und bereitet sein moosbedecktes Liebenskissen. Sonnenanbetern öffnet er Lichtungen wie die Kreuzeichenwiese, Wanderer dürfen seine lichtdurchfluteten Buchenbestände durchstreifen, und allen spendet er ein bisschen Glück und Frieden. Kein Wunder, dass die Wiener ihren Wald so lieben, in dem sich auch vortrefflich picknicken lässt – wer je bei Selchspeck, Fleischlaberln, hart gekochtem Ei, Radieschen, Brot und Bier seine Blicke von den sanften Hügeln des Waldes über die vorgelagerten Weingärten hinab nach Wien hat schweifen lassen, der weiß, warum Wien als die »l(i)ebenswerteste Stadt« der Welt gilt.
Doch der Wienerwald war und ist den Wienern seit jeher nicht nur Liebesnest, sondern auch Holzlieferant und Speisekammer. Er war einst Jagdgebiet für den Adel und versorgte die in Notzeiten darbende Stadt mit allerlei Nahrhaftem wie Bucheckern zur Ölgewinnung, Kräutern wie den Bärlauch, verschiedenen Beeren, Pilzen und Knospen. Das Sammeln war schon immer eine städtische Domäne und wird von der Landbevölkerung belächelt. Doch wer nicht sammeln geht, dem entgeht die edelste Delikatesse des Wienerwalds: die Wienerwald-Trüffel, deren betörendes Aroma nichts anders als ein »Ich will dein sein« bedeuten kann.
Jedes Jahr aus Neue öffnet der Wienerwald im Frühling, »wenn die Knospen wieder sprießen, wenn es draußen grünt und blüht, auch uns Säfte wieder schießen, wenn man etwas Hübsches sieht« (Waldemar Klinger) seine Pforten und verkündet Verheißungsvolles.

x
x
x

Warenwert :