Menschen

Schottland (UK)

Schottland (UK) Staat
Schafe, Whiskey und Legenden

Es regne ständig, die Landschaft bestehe nur aus Schafen, historischen Burgen, traditionellen Highland Games und alle tragen Schottenröcke und spielen den Dudelsack: Schottland, wie es im Klischee-Bilderbuch steht. Doch egal ob diese Stereotypen nun zu beschränkt gegriffen sind, positiv besetzt sind sie allemal, Schottlands Landschaft gilt als mystischer, uriger Garten Eden. Das kann man von denen der schottischen Küche allerdings nicht behaupten: Als gewöhnungsbedürftig gilt sie, ihr Ruf mehr schlecht als recht. Doch wer einmal zarte schottische Scallops oder herrlich mürbes Shortbread probiert hat, wird dem jauchzend und lautstark zu protestieren wissen.

Traditionell ist die schottische Küche eher deftig. Die Mahlzeiten mussten die Menschen auf dem Land vor allem sättigen, weshalb Gerichte wie Scotch Broth, eine Art Graupensuppe oder Produkte aus und mit Hafer, Gemüse aus dem Garten, Fleisch von Schaf und Wild und Fisch seit jeher eine zentrale Rolle spielen. Doch geschmacklich und auch optisch können einige Gerichte eine Herausforderung für den kontinentalen Gaumen sein. Wie zum Beispiel gefüllter Schafsmagen mit Innereien.

Und apropos deftig – dass diese Zuschreibung kaum treffender sein könnte, beweist bereits das schottische Frühstück. Kipper (geräucherter Hering), haddock (Schellfisch) oder porridge (eine Art gekochter Haferschleim) gefällig?


Schottische Fleischgenüsse

Das Schaf ist in Schottland sehr beliebt. Bekannte Delikatessen werden daraus gezaubert. Haggis ist wahrscheinlich die bekannteste Spezialität, wenn auch eine gewöhnungsbedürftige Haggis besteht aus dem Magen eines Schafes, der mit Herz, Leber, Lunge, Nierenfett vom Schaf, Zwiebeln und Hafermehl gefüllt wird. Nachweislich wurden bereits in der Antike Tiermägen oder Tierdärme mit Innereien gefüllt und von den Römern gegessen. Die Rezeptur war ursprünglich für die bäuerliche Schlachtresteverwertung gedacht. Die Einfuhr von Haggis in die USA ist bis heute verboten, da Haggis Schafslunge enthält, dessen Verkauf schon seit 1971 verboten ist.

Moorhuhn ist in Schottland eine wahre Delikatesse. Tatsächlich ist es aber nicht so einfach, den schnell fliegenden Vogel zu fangen. Der ist bis zu 110 km/h schnell und stellt für jeden Jäger eine Herausforderung dar. In Schottland weiß jedes Kind: Die Jagdsaison für Moorschneehühner beginnt am "Glorious Twelfth", dem 12. August. 1888 schoss ein Lord angeblich 1070 Hühner an einem Tag. Heute kostet ein einziges erlegtes Paar rund 80 Pfund (rund 100 Euro). Die Tiere gelten als exquisite Spezialität. Mehrere Tage muss der Vogel abhängen, damit sich der Geschmack entwickelt. Dann wird er in einem Topf geschmort oder im Backofen gebraten. Dazu gibt es Brotsauce, Fleischsaft und Bratkartoffeln.

Klingt wie ein Dessert, ist es aber nicht: Black Pudding gibt es zum traditionellen Frühstück. Hierbei handelt es sich um eine Art Blutwurst mit Hafer und wird in der Pfanne angebraten. Nicht jedermanns Sache, aber auf jeden Fall einen Versuch wert, wenn man auf Blutwurst steht.


Käse können nicht nur die Franzosen bieten

Seit dem Spätmittelalter stellen die Schotten ihren Lieblingskäse "Caboc" her. Der Frischkäse aus den schottischen Highlands wird mit Hafermehl überzogen. Die älteste Käsesorte Schottlands soll ursprünglich ein Schäfer entdeckt haben. Der hatte seinen Käse in einer Schachtel aufbewahrt, in der er zuvor Haferflocken transportierte. Nachdem er die Schachtel öffnete und die Mischung aus Flocken und Käse probiert hatte, soll es ihm so gut geschmeckt haben, dass er den Käse zukünftig mit Haferflocken herstellte.

Daneben muss man den Lanark blue probieren. Er sieht aus wie ein Gorgonzola: cremig-weiß mit bläulichen Einsprengseln. Er wird aus Schafsmilch hergestellt und stammt aus der Borders-Region. Nicht zu vergessen der White Diamond aus Galloway, ein Frischkäse, zart und mild und wunderbar zu Erdbeeren geeignet.


Schottland kann und zwar vor allem süß

Scones, Crumpets, Shortbread - die Schotten wissen, wie man schlemmt. Scones sind eigentlich eine urbritische Gebäckart, aber auch in Schottland werden sie oft zur "Tea Time" gereicht wird - und werden auch mal aus Kartoffelbrei zubereitet. Crumpets sind große, dünne Pfannkuchen. Der Name "Crumpet" geht auf das Jahr 1694 zurück und bezieht sich auf einen zerknitterten ("crumpled") oder auf einen lockeren ("curled-up") Kuchen. Da Crumpets einen recht neutralen Geschmack haben, belegt man die heißen Küchlein mit Marmelade, Honig oder Käse.

Shortbread ist wohl das traditionellste Gebäck in Schottland. Die Zubereitung des süßen Mürbeteiggebäcks kann man sich gut merken: einen Teil Zucker, zwei Teile Butter und drei Teile Mehl. Die beliebteste Backform ist der quaderförmige, fingerlange "Shortbread Finger".

Ungewöhnlich trumpft mit dem oft pikant gewürzte Gericht "Scotch woodcock" auf: Hierbei handelt es sich meist um einen Nachtisch aus mit Rührei überzogenen Sardellen, die auf Toast serviert werden.


Schottlands Wasser des Lebens

Eine Steuerurkunde aus dem Jahr 1494 hält erstmals schriftlich den Nachweis für die Whiskydestillation in Schottland fest und besagt: "Acht Balls Malt für Bruder Cor, um damit Aqua-Vitae zu machen." Der Name Whisky leitet sich von dem gälischen Wort "Uisce Beatha" ab, was übersetzt "Lebenswasser" bedeutet. Bis heute streiten sich aber Schottland und Irland darum, wer das Ursprungsland des Whiskys ist. Fest steht, dass Schottland mit einem 40-prozentigen Anteil an der weltweiten Produktion das wichtigste Whisky-Land ist. Da verweilt man gerne für ein, zwei Gläser und ein, zwei Nächte im schönen Schottland... oder eben auch ein paarmal "Ein, zwei" mehr.

x
x
x

Warenwert :