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Ein türkisches Abendessen ist ein Erlebnis für Augen und Gaumen. Die wichtigste Zutat: viel Zeit

Türkei: Das Land, das Europa und Asien miteinander verbindet, die Hauptstadt der jahrhundertelang in Anatolien geherrschten Zivilisationen und somit die Wiege der Kulturen. Und wer einmal vor einem türkischen Vorspeisenbuffet gestanden ist, der weiß, dass Vielfalt auch auf Kulinarisch geht. Köstliche Falafel, Hummus, Börek und Bulgur, gewürzt mit Dill, Minze, Safran, Mohn, Zimt, Rosinen, Kreuzkümmel und Thymian locken den Gaumen. Wer dann noch Platz hat, probiert ein Ragout des Popen oder lässt den Imam kulinarisch in Ohnmacht fallen (Imam Bayildi).

Die türkische Küche gehört mit ihren Rezepten neben der Küche Chinas und Frankreichs zu den raffiniertesten der Welt, denn im Kochtopf der türkischen Küche verschmelzen viele Kulturen: Die türkische Küche hat eine lange Geschichte und stellt eine Weiterentwicklung der ursprünglichen nomadischen Kochtradition der Turkvölker (hiervon zeugen diverse Arten von in Lehmöfen gebackenen Brotsorten, Joghurtspeisen oder Lammgerichte) durch Vermischung mit der indischen, persischen, islamisch-arabischen Küche sowie den Kochtraditionen der Völker des Mittelmeerraumes und des Kaukasus, wie zum Beispiel der armenischen und/oder aramäischen Küche dar. Diese Vielfalt der Einflüsse entwickelte sich durch die Jahrhunderte besonders unter der Prägung der osmanischen Kultur und Lebensweise zur heutigen charakteristischen türkischen Küche.Wie im gesamten islamischen Raum gelten auch in der Türkei für die muslimische Bevölkerung die Speisevorschriften des Islam von haram (verboten) und halal (erlaubt). Das Schächten wird beachtet.

Erfolgsrezept: Zeit und Gesellschaft

Kennzeichnend für die türkische Küche ist die aufwendige und Zeit raubende Vorbereitung selbst einfach erscheinender Gerichte. Wer jemals einer türkischen Hausfrau bei der Zubereitung von gefüllten Kohl- oder Weinblättern (dolma, „das Gefüllte“) zugesehen hat, wird verstehen, dass sich die Türken abends für das Hauptmahl im Familienkreis oder in einem Gasthaus (lokanta) ausgiebig Zeit nehmen.

Essen und Gesellschaft gehören noch heute in diesem Kulturkreis eng und unzertrennlich zusammen. Gemeinsames Essen mit Bekannten, Freunden, Nachbarn, Verwandten und nicht zuletzt mit überraschend eingetroffenen Gästen wird in der Türkei heute noch gepflegt. Dies ist Ausdruck der sprichwörtlichen, bis heute ungebrochenen türkischen Gastfreundschaft. An Anlässen, um Freunde und Verwandte zu einem festlichen Essen einzuladen, fehlt es nie. Vor allem bei großen Ereignissen wie Hochzeiten oder Beschneidungsfeiern nehmen die aufeinanderfolgenden Gänge manchmal kein Ende. Aber auch bei einfachen Besuchen sind mehrere Gänge der Brauch. Vor allem die türkisch-islamische Sitte, an "Ramadan"- Abenden zu gemeinsamem Essen einzuladen, hat bei den Türken eine ungebrochene Tradition.

Vorspeisenvielfalt, am Spieß gegrilltes Lamm und Schwarzmeersardinen

Für manche sind aber nicht das Hauptmahl, sondern die kalten Vorspeisen (mezeler) der Höhepunkt der türkischen Küche. Auf den Vorspeisentischen finden Sie Gemüse aller Art, meist in Olivenöl eingelegt, Krabben, Muscheln, Tintenfischringe, Humus (pürierte Kichererbsen), Saisonsalate und Blätterteigpasteten. In Tavernen darf zu mezeler der rakı (ein hochprozentiges, mit Anis aromatisiertes Traubendestillat) nicht fehlen. Rakı passt vorzüglich zu cremigem Schafskäse und Honigmelone.

Die Türken erwarten von einem Gericht, dass es nach der Hauptzutat schmeckt und nicht von Soßen oder Gewürzen überdeckt wird. Lamm und Rind werden darum meist gegrillt oder am Spieß (şiş) sparsam gewürzt serviert. Dazu gibt es Salat und Reis, Bulgur (grob geschroteter Weizen) oder Kartoffeln. Außer der Fastfood-Variante mit den dünn geschnittenen Döner-Scheiben im Brot (pide) gibt es Dutzende andere Zubereitungsmöglichkeiten für Fleisch. Aus Ostanatolien stammen die Variationen patlıcan kebabı (mit Hackfleisch gefüllte Auberginen am Spieß) oder saç kebabı (geschnetzeltes Lamm mit Champignons und Tomaten, in der Pfanne gebraten). Geflügel gibt es häufig aus dem Ofen. An den Küsten dominieren Fisch und Meeresfrüchte die Speisekarte. Empfehlenswert sind fenerbalığı (Seeteufel), levrek (Seebarsch), lüfer (Blaubarsch), kalkanbalığı (Steinbutt) und palamut (Thunfisch). An der Mittelmeerküste bekommt man auch frischen Hummer (istakoz). Für die berühmte Schwarzmeersardine (hamsi) kennen die Nordküstenbewohner angeblich mehr als 40 Arten der Zubereitung.

Süß, süßer: Türkei

Auch der Nachtisch birgt Überraschungen: Verschiedene Sorten von Blätterteiggebäck, mit Zuckersirup übergossene Pasteten und Schokopuddings gehören dazu. Er wird bereichert durch saftiges Obst: Honig- und Wassermelonen, Weintrauben, Pfirsiche, selten auch schwarze Maulbeeren (karadut). An den Schluss gehört ein Tässchen türkischer Mokka (türk kahvesi). Man bestellt ihn sade (ungezuckert), orta (mittelsüß) oder şekerli (gesüßt).

Das türkische Nationalgetränk ist Tee (çay). Er wird in kleinen Gläsern serviert und nach Belieben gesüßt. Der Klassiker der türkischen Getränke, der weit über die Grenzen des Landes hinaus bekannt ist, ist aber der ayran, aus Wasser und Joghurt gemixt. Was den Weinfreund anbelangt, so wird er mit einheimischen Marken wie Doluca oder Kavaklıdere solide Tischweine vorfinden, der Bierfreund mit der Marke Efes sein Vergnügen haben.

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