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Österreichische Schokoladekultur

von Demel über Manner und Milka bis Zotter

Im 17. Jahrhundert kam die Kakaobohne aus Südamerika nach Spanien, wo die Schokolade schon sehr bald zum alltäglichen Getränk wurde. Allmählich gelangte sie dann über Frankreich, die Niederlande und Deutschland auch an den Habsburger Hof. Bereits im 18. Jahrhundert wurde die Schokolade das Leibgetränk der reichen und vornehmen Damen, wenngleich es sich bei ihr anfangs – wie übrigens Tee und Kaffee auch – um ein sehr teures Luxusgetränk gehalten hat. Schokolade wurde bevorzugt mit Milch, Obers oder Wasser (so war sie auch zur Fastenzeit erlaubt) genossen; oder als Medizin gegen z.B. Nervenleiden (mit Orangenblüten) als Beruhigungsmittel (mit Mandelmilch) oder auch mit Salep als Heilmittel gegen Magenbeschwerden verschrieben. Um den anfangs doch recht bitteren Geschmack zu verbessern, wurde die Schokolade mit allerlei exotischen Gewürzen aromatisiert, so kamen außer Zucker auch Vanille, Nelken, Orangenwasser, Ambra, Pfeffer, Anis oder auch Madeira in die Schokolade.

Trotz ihrer Exklusivität erfreute sich die Schokolade im 18. und 19. Jahrhundert auch in den österreichischen Privathaushalten großer Beliebtheit . Hier wurde sie zumeist heiß mit Wasser, Milch oder sogar Wein gekocht. Besonders beliebt war schaumig aufgeschlagene Schokolade oder auch eine mit Eidottern eingedickte Schokolademasse. Im 19. Jahrhundert begann die Schokolade dann auch ihren Siegeszug in der Süßspeisenküche, schnell reichte das Repertoire von Schokolade-Mus, über den Schokolade-Auflauf, die Schokolade-Bombe, -Brot, -Biskuit, -Cremes, -Eis, -Krapferl, -Palatschinken und natürlich die allerorts beliebten Schokoladetorten. Glanzstücke der österreichischen Mehlspeisküche sind sicherlich die einzigartige Sachertorte und die Vielfalt an zart-schmelzendem Konfekt, Pralinen und Schokoladebonbons.

Bis zur industriellen Herstellung von Schokolade (deren bekanntester Vertreter wohl die in Vorarlberg ansässige Firma Suchard mit ihrer Milka ist) im 19. Jahrhundert wurde die Schokolade nur aus nichtentölten Kakaobohnen gewonnen. Um 1890 gab es in Wien etwa ein Dutzend Schokoladefabriken, eine von den alt-eingesessenen Betrieben ist die Firma Manner, mit ihren berühmten „Neapolitaner-Schnitten“, eine andere die Confiserie Heindl mit ihren Sissi-Talern und Maronen-Herzen (mittlerweile erzeugt die Confiserie Heindl auch die beliebten Pischinger-Tortenecken). Eine besondere Leckerei wurde im Hause Demel zubereitet, denn hier servierte man in Schokolade getunkte echte Kakaobohnen, welche per Hand selektiert wurden.

Heute wird im Zusammenhang mit Österreichischer Schokoladekultur vor allem der Name Zotter im Steirischen Vulkanland verbunden, der mit Besonderheiten wie "Schokolade mit Bergkäse" und anderen Extravaganzen sowie mit liebevollen, kreativ gestalteten Etiketten bekannt geworden ist - was weithin viel zu unbekannt ist: Zotter steht auch für Nachhaltigkeit, Bio und verantwortungsvolles (ja geradezu beispielhaftes) Unternehmertum.

Ein anderer krativ arbeitendern Betrieb ist die Firma Fenkart in Vorarlberg, die vor allem mit regionalen Produkten autochthone Schokoladen erzeugt; Sig, Subirer & Co geben daher den Schokoladen aus diesem Traditionsbetrieb die persönliche Note.

Und last but not least soll an dieser Stelle auch der Schokolade-Erzeuger Pichler in Osttirol nicht unerwähnt bleiben, der sich vor allem durch eine einzigartig vielfältige Produktpalette auszeichnet und vor allem für regionale Produzenten (Schnapsbrenner etc.) eigene Schokoladenkreationen mit deren Erzeugnissen kreiert.

Dies sind nur einige wenige Beispiele für eine höchst lebhafte Schokoladen-Kultur in Österreich, die von regionalen Erzeugnissen bis zur hohen Schule der Patisserie die ganze Bandbreite des Schokolade-Spektrums abdeckt und damit für eine genussvolle Vielfalt am Gaumen sorgt. Und um wieviel ärmer wäre die Österreichische Schokoladenkultur ohne die weltberühmten Mozartkugeln, den süßen Schokotraum aus Salzburg?

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