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Schmalzgebackenes, Tommerl und Christmessenbrot

Essen & Trinken  Historisches
In Peter Rossegers Waldheimat liebt man es auch zu Weihnachten urig-rustikal und frönt dem althergebrachten Brauchtumsgebäck, das nicht immer im Ofen gebacken werden muss, sondern auch heute noch aus dem Schmalzbad kommen darf.

In Rossegers Weihnachtsgeschichte „Als ich Christtagsfreude holen ging“ sagt die Mutter zum Peterle, dass sie noch Germ, Weinbeerl’n, Zucker, Safran und Neugewürz bräuchte. Freilich sind exotische Gewürze sowie der hochaufgehende Germteig Errungenschaften der neueren Zeit und Gebäcke mit ihnen verhältnismäßig jung, aber dennoch aus dem heutigen Brauchtumsgebäck der Steiermark kaum wegzudenken. Dabei hatte es vor allem die Hefe schwer, denn diese wurde bis in 17. Jahrhundert als Werk des Teufels leidenschaftlich bekämpft.

Doch was wäre der „Aufgehende Tommerl“ ohne den Germ? Dieses mit Äpfeln, Honig, Marmelade, Powidl, Weinbeeren oder nur Zucker gefüllte Brauchtumsgebäck zählt zu den traditionellsten Mehlspeisen der Steiermark und wird am Weihnachtsmorgen oder zur Jause am Christtag aufgetischt. Und auch das steirische Kletzenbrot – insbesondere im Gesäuse beheimatet – braucht Germ, um richtig gut zu werden; es wird übrigens aus Roggenmehl gebacken und ist nicht nur mit Kletzen, sondern auch mit Orangeat, Walnüssen, Pinienkernen, Sultaninen, Zibeben und Rum oder Schnaps besonders reichhaltig gefüllt und zudem mit Lebkuchengewürz, Nelkenpulver, Zimt und Kardamom exotisch gewürzt. Das Kletzenbrot diente übrigens auch der Kuppelei: heiratswillige Mädchen schenkten den auserwählten Burschen ein Endstück Kletzenbrot, welches diese dann wie eine wertvolle Trophäe stolz an einer Schnur um die Achsel gebunden trugen.

In der Steiermark gibt es ein typisches Christmessenbrot, das durch ein bestimmtes Ritual, bei dem es drei Messen durchlaufen musste zum „Dreimessenbrot“ wurde. Ähnlich wie in Kärnten war es auch in der Steiermark üblich, dieses Brot mit allerlei Zeichen des Aberglaubens zu verzieren. Das Brot soll dann vor bösem Zauber der Perchten, dem Teufel und seinem Unwesen sowie Unwettern und Blitzen geschützt haben.

Die Steiermark wäre nicht ein traditionelles Krapfenland, hätte sie nicht allerlei Schmalzgebackenes für den Heiligen Abend parat. Da sind zum einem die Balassen zu nennen, ein derber Teig, der mit fastentauglichen Füllungen (Äpfel, Kraut, Rüben) gefüllt wurden – Balassen gab es neben Weihnachten übrigens auch zur Erntezeit als Belohnung für das Gesinde. Weinbeerkrapfla sind kleine Rundkrapfen aus feinem Germteig, der mit reichlich Weinbeeren angereichert wurde und insbesondere im Ennstal zu großen Festtagen wie Weihnachten gebacken wird. Und in der Obersteiermark kennt man mit den Branntweinnußn (eine spezielle Form des Branntweinkrapfen) die wohl beschwipstesten aller Weihnachtskrapfen, denn sie werden – wie der Name schon sagt – vor dem Genuss mit Branntwein übergossen.

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