Menschen

Tiroler Bergbauern

Historisches
Verbrämte Liebe zur Heimat!

Tirol war und ist bis heute das inneralpine Passland zwischen Nord und Süd. Seit dem Ende der Eiszeit ist das „Land im Gebirge“ besiedelt und ist seit jeher von zwei Faktoren gekennzeichnet: Jagd und Landwirtschaft. Während sich die Adeligen und Herrschaften (vor allem durch den Abbau von Gold, Silber, Kupfer und Salz reich geworden) bei der Hochjagd vergnügten, so sahen sich die Bauern mit den erschwerten Gegebenheiten des Geländes konfrontiert. Doch schon sehr früh erhielten die Tiroler Bauern größere persönliche Freiheit und Besitzrechte, wesentlich früher, als z.B. ihre Kollegen im Osten Österreichs. Freiheitsliebend, erdverbunden, heimatliebend, gläubig (ja teilweise geradezu gottesfürchtig) und fest in ihren Traditionen verwurzelt, waren die Tiroler schon immer die „Patrioten“ Österreichs und widersetzten sich notfalls auch mit Waffengewalt gegen alles Fremde. Das mussten sowohl die ungeliebten Bayrischen Herrscher (welche vor allem mit ihren geplanten religiösen Veränderungen für großen Unmut innerhalb der Tiroler Bevölkerung sorgten), als auch Napoleon spüren, dem Andreas Hofer mit seinen „Freiheitskämpfern“ empfindliche Niederlagen beibrachte. Nach seinem Verrat und der Verurteilung zum Tode soll er kurz vor seiner Hinrichtung gesagt haben: „Franzl, Franzl, das verdank ich dir!“ Hiermit bezog er sich auf Franz I., seit 1804 Kaiser von Österreich, der auf die Seite Napoleons übergetreten war. Das sogenannte „Andreas Hofer Lied“ mit dem Titel „ Zu Mantua in Banden“ (Text (verfasst 1831) von Julius Mosen, Musik aus dem Jahre 1844 von Leopold Knebelsberger) ist heute die Hymne des Bundeslandes Tirol. In weiten Teilen der Bevölkerung gilt Andreas Hofer als Nationalheld und sein Einsatz für das Land uns seine Freiheit wird mit einer ganzen Reihe von Denkmälern geehrt; zudem wird Andreas Hofer alljährlich am 20. Februar als Vaterlandsheld gefeiert, insbesondere in Jagdkreisen und bei Bergbauern.

Die Bergbauern nehmen in Österreich, insbesondere in Tirol, eine bedeutende Stellung innerhalb der ländlichen Wirtschaftformen ein. Im Vergleich zu den Flachlandbauern haben sie mit weitaus härteren Lebens- und Arbeitsbedingungen zu kämpfen, die sich aus der Kürze der Vegetationszeit, den Unbilden des Klimas, der Hanglage der Grundstücke und der ungünstigen Verkehrslage ergeben. Im Jahre 1994 wurden in ganz Österreich 99.400 Bergbauernbetriebe gezählt, die man in 4 Erschwerniszonen kategorisiert hat, wobei die ersten 3 nach dem Anteil der bewirtschafteten Fläche mit einer Hangneigung von mehr als 25 %, bzw. die 4. mit mindestens 40 % der Anbau-Fläche mit einer Neigung von über 50 % charakterisiert ist, das waren immerhin nahezu 7000 Bergbauern-Betriebe.

Durch die Beweidung der hochgelegenen Flächen wird das Auftreten von Erosion (Hangrutschungen) verhindert und eine Verwaldung verzögert, was auch das für den Tourismus günstige Landschaftsbild erhält. Die Weiden werden durch den Kot (Mist) der Tiere gedüngt und auch hier spielt der Tourismus eine wichtige Rolle, denn die Wanderer wollen ja gerne "Tiere auf der Weide sehen". Um zu begreifen, wie beschwerlich das Bewirtschaften einer Alm oder eines Bergbauernhofes ist, sollte man sich als Städter einfach nur einmal freiwillig bei einer Heumahd (Heumachen) beteiligen; denn es ist beinahe als virtuos zu bezeichnen, wie die Bergbauern ihre Wiesen mähen. Zum Teil ist dies auch heute noch - trotz modernster technischer Geräte - aufgrund der Steilheit vieler Hänge nach wie vor nur mit Sense und Rechen möglich.

Durch Direktzahlungen des Staates erfolgt jährlich eine Art Abgeltung der natürlichen Erschwernisse und es soll damit vor allem ein Beitrag zur Erhaltung der Besiedelung und kulturellen Funktionsfähigkeit der Berggebiete gewährleistet werden; dennoch lässt sich dadurch eine immer weiter fortschreitende Abwanderung bestenfalls verzögern, nicht aber verhindern. Weitere Unterstützungen und Förderungen gibt es durch zahlreiche Projekte der EU. Haupteinnahmequellen der Berghöfe sind nach wie vor Milchwirtschaft (Bergbauern-Milch stammt von Kühen staatlich anerkannter Bergbauern und gilt neben der Almbutter und Käse als wichtigstes Erzeugnis), Rinderzucht, Forstwirtschaft und auch der Fremdenverkehr, denn die Almhütten und Bauernhäusern bieten z.B. müden Wanderern willkommene Stätten der Muße und Rast. Denn heute ist der Tourismus eine beinahe noch wichtigere Einnahmequelle für die Bergbauern, als die Almwirtschaft und die daraus resultierenden Erzeugnisse.

Das Selbstverständnis der Bergbauern drückt sich also nicht nur in der Rolle als Landschaftspfleger aus, sondern auch in der Erzeugung hochwertiger, nicht-industrieller, naturnaher Produkte. Meist wird daher vielerorts eine Zusammenarbeit mit dem Tourismus der jeweiligen Region angestrebt. Die entsprechenden Tourismus-Betriebe fungieren dabei als Abnehmer der landwirtschaftlichen Erzeugnisse der regionalen Bergbauern. Zugleich wird mit der Verstärkung der Direktvermarktung (ab Hof oder auf Bauernmärkten) versucht, alte Wege wieder neu zu erschließen um damit die relativ geringen Erlöse aus den Verkäufen an die großen Verarbeitungsbetriebe durch kleinere Mengen an höheren Erlösen in diesem Segment zu ergänzen.

Die höchsten Dauersiedlungen finden sich in den Zentralalpen, sie liegen oberhalb der Baumgrenze, so z.B. Obergurgl im Ötztal auf 1927 m, am höchstgelegenen aber sind die Rofenhöfe, welche auf einer Höhe von ca. 2015 m liegen. Die großen Höhen wurden vor allem im Zeitraum des 12./13. Jahrhunderts besiedelt, aber später vielfach wieder aufgegeben und nur noch im Sommer als Almen bewirtschaftet; die Existenz der so genannten Schwaighöfe (eine Schwaige entspricht einer Herde Rinder) basierte folglich rein auf der Viehwirtschaft. Das Bergbauerngebiet war immer ein Rückzugsgebiet und da wo die Böden besonders karg und das Leben besonders hart sind, haben die Menschen schon immer verstärkt an ihrem Glauben und ihren Traditionen festgehalten. Dies zeigt sich selbstverständliche auch in der Kleidung (Trachten), Sitten und den zahlreichen Brauchtümern, die in Tirol bis heute gepflegt werden.

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