Menschen

Wiener "Heuriger"

Historisches
Ein Teil der Wiener Seele

Der Heurige ist ein Teil von Wien, ja mehr noch ein Teil der Wiener Seele. Und so ist es wenig verwunderlich, dass die tausenden von Fremden, für die ein Heurigen-Besuch obligatorisch geworden ist, kaum verstehen werden, was diese traditionelle Einrichtung den Wienern bedeutet. Für viele von ihnen ist alleine schon der Umstand, dass der „Heurige“ einerseits den jungen Wein bezeichnet, dann aber auch den Ort wo er ausgeschenkt wird, sehr verwirrend. Und dieses Unverständnis hat leider dazu geführt, dass viele Heurigen-Betriebe meist wegen all zu ausgeprägtem Geschäftssinnes zu charmelosen Heurigen-Lokalen mutierten und ihren traditionellen Charakter dabei verloren.

Vor dem Glas sind alle gleich, egal aus welcher Berufssparte oder Bevölkerungsschicht. Vielleicht ist dies einer der Reize des Heurigen, welchen er auf den klassifizierten, modernen Menschen ausübt. Denn kulinarisch gesehen ist der Heurige nicht wirklich etwas Außergewöhnliches und das Speisenangebot meist herrlich monoton, man weiß was einen erwartet; allerdings ist „immer gleich“ nicht „immer das selbe“. Und so gibt es doch gravierende Unterschiede, diese aber sind im Detail zu suchen und für ungeübte Heurigen-Geher meist schwer erkennbar. Jeder Weinort hat seine eigenen Heurigen und seine ureigenste Atmosphäre, jeder Wiener seine persönlichen Präferenzen.
Da ist zum Beispiel auf der einen Seite das touristisch geprägte Grinzing, das drauf und dran ist, jegliche Tradition zu vernichten und sich ganz der modernen Homologie hinzugeben. Jenseits der Donau finden wir Stammersdorf oder Strebersdorf mit ihrem dörflichen Charme und vielen traditionell geführten Betrieben, die im reinsten Sinne „einfach gut“ sind und im Süden Wiens trifft man sich in urigen Weinstuben traditionellen Stils.
Zur Geschichte:
Der 17. August 1784 ist laut Geschichts- und Lehrbüchern die amtliche Geburtsstunde des Wiener Heurigen, weil an diesem Tag der gute Kaiser Josef II in einer Zirkularverordnung den Wiener Weinbauern gestattete, den selbst erzeugten Wein im eigenen Hause auszuschenken und zu verkaufen, ohne dass sie dafür eine spezielle Konzession benötigten.
Der Kaiser gestattete damit eigentlich nichts Neues, denn er hat nur das legitimiert, was schon lange Usus war: das „Trinken“ beim Winzer!
Anfangs traf sich nur das sogenannte „einfache Volk“ beim Heurigen, doch mit der Zeit fand auch das aufsteigende Bürgertum Gefallen an „Wein, Weib und Gesang“, die Schrammelmusik tat das ihrige dazu und der Heurige wurde „bürgerlicher“. Später dann konnten sich sogar sogenannte „Nobelheurige“ etablieren, wenngleich für diese Lokale das ungeschriebene Gesetz „vorm Glas sind alle gleich“ wohl kaum mehr zutrifft.
Der echte Heurige ist ein Buschenschank, was daran zu erkennen ist, dass ein „Föhrenbuschen“, der sogenannte Zeiger, über der Tür hängt. Er weist darauf hin, dass der Betrieb zur Zeit nur Eigenbauweine ausschenkt. Das bedeutet, dass sich überhaupt nur solche Betriebe als „Heuriger“ bezeichnen dürfen, die in Wien oder angrenzenden Gemeinden den Wein selbst gepflanzt, geerntet und ausgebaut haben. Der Zukauf von Trauben und Wein jeglicher Art ist verboten. Das heutige Buschenschankgesetzt besagt, dass der Winzer zum Wein – je nach Konzession – auch kleinere oder größere Speisen anbieten darf, die in Form eines Selbstbedienungsbuffets ausgegeben werden dürfen. Der Wein selbst wird serviert.
Der Heurige mag sich im Laufe der Jahre stark gewandelt haben, doch geblieben ist zumindest den traditionell geführten Betrieben ihre ureigenste Atmosphäre, vor allem jene für Fremde so unverständliche „melancholische Heiterkeit“. So ist es für einen Nicht-Wiener meist rätselhaft, dass sich viele Wiener-Lieder eher zum „Weinen“, als „Weinselig“ anhören, insbesondere dann, wenn er auch noch der Sprache nicht mächtig ist. Wenn die Musik beispielsweise das berühmte Lied „Vakaufts mei Gwaund, i foar in Himmel“ anstimmt, oder gar die Weise „Waun i amoi stirb, stirb, stirb“ erklingt, so kann sich nur ein echter Wiener oder zumindest ein waschechter Heurigen-Weinbeißer verstanden fühlen. Im Grunde genommen besagen die Wiener-Lieder nichts anderes als dass man zum Leben nur ein bisserl Geld, gutes Essen und Trinken braucht. Das Leben und der Tod sind selbstverständlich und gehören dazu; da kann man halt nichts machen!
„Der Tot muss ein Wiener sein“, besagt eine alte Weisheit. Genau deshalb gibt sich der Wiener sehr gern seinem Weltschmerz hin und begründet nicht zuletzt auch damit seine Liebe zum (hoffentlich) alles erheiternden Wein; denn der ist „Ein Stück vom Himmel“, wie wir wissen! Möge uns dieses himmlische Stück noch lange erhalten bleiben, zum Wohle.
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