Kletzen, Mohn und Schmalzgebackenes
Die Lobeshymne auf das Brot wird insbesondere in Kärnten sehr deutlich, denn hier gibt es eine kaum zählbare Fülle von unterschiedlichen Brauchtumsbroten. Das bekannteste ist sicherlich das weihnachtliche Quatemberbrot, gebacken in der 4. Quatemberwoche, die mit dem 13. Dezember beginnt. Die Bäuerinnen drückten in den Laib die Form des Getreidekasten-Schlüssels (daher auch der Name „Schlüsselbrot“), mit dem der Zugriff vor Übersinnlichem verhindert werden sollte. Gleichzeitig erklärte man den Kindern, dass die „Percht“ ihren Abdruck im Ofen hinterlassen habe, um sie zu verschrecken und so das Brot vor ihren „Langfingern“ zu sichern.
In vielen Kärntner Gegenden werden bis heute Quatemberlaibe zur Mette mitgenommen, wo sie hinter dem Altar abgelegt werden und dort während der Mitternachtsmesse, der Frühmesse und dem Hochamt am Christtag verweilen. Diese Dreimessenbrote – auch Christmessenbrote genannt – spenden dem Glauben nach Mensch und Tier besondere Kraft. In der Region Feldkirchen wird dieses Brot nur aus Weizen ohne Zutat von Salz gebacken, in Unterkärnten aus allen Getreidesorten. Das Brot wird auch den Tieren mit Stephanisalz bestreut verabreicht und soll sie vor Krankheit, Unglück, Schlangenbiß, Blitzschlag, Unfällen usw. schützen. Und wenn man einen Laib bis zum nächsten Weihnachtsfest liegen lässt, so wird das ganze Jahr kein Mangel an Brot sein.
In Kärnten kennt man natürlich auch noch andere Weihnachtsbrote, wie das Kloatzenbrot (Kletzenbrot) oder den von den Slowenen eingeführten Hadnnikl (mit Buchweizen „Hadn“ gebacken), der mit Mohn bestreut und mit Honig bestrichen besonders im Jauntal und Rosental verbreitet ist. Selbstverständlich darf auch der Reindling als Weihnachtsbäckerei dienen. Und Kärnten wäre nicht Kärnten, gäbe es nicht eine „Heilig-Abend-Nudel“, die in Schmalz gebacken und anschließend mit Honig und Mohn überzogen zum Festmahl wird.
Ursprünglich „Schmalzgebacken“ wurden auch die Teigfladen für eines der ungewöhnlichsten und üppigsten Brauchtums-Bäckereien überhaupt, das ein höchst lebendiges Zeugnis der Opulenz vergangener Tage abgibt. Die Rede ist vom Osttiroler Blattlstock, einem eindrucksvollem Gebilde aus in Schmalz gebackenen Germteigfladen, die mit einer üppigen Fülle aus Kletzen (Dörrbirnen), Mohn, Zucker (oder Honig), Zitronenschalen, Zimt und Nelken aufeinandergestapelt werden – und damit die ganze Sache auch schmeckt kommt zwischen alle Lagen reichlich Butter (oder Rahm) und zum Schluss noch ein ordentlicher Butterguss darüber. Von Stephanitag an wird nach jeder Mahlzeit davon gegessen und dazu Milch und „Roter Tiroler“ (eine Art „Roter Spritzer“) gereicht.
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