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Lodsch/Lodz

Manchester des Ostens - Lodz wandelte sich vom netten Dorf von nebenan zur multikulturellen Industriemetropole bis hin zu Filmhauptstadt "Holly-Lodz". Und auch kulinarisch haben die Multikulturalitäten ihre vielfältigen Spuren hinterlassen.
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Manchester des Ostens, Wald der dreihundert Schlote, Regenstadt oder Russlands Webstuhl. Für den Nobelpreisträger Wladislaw Reymont war sie das Gelobte Land, für die Nazis Litzmannstadt. Holly-Lódz!, sagen jene, die Filme von Polanski und Kieslowski lieben. Stadt ohne Grenzen, Stadt des Bösen, Stadt ohne Geschichte und einer Vielzahl der Menschen sowieso nur durch den Schlagertext "Theo, wir fahr’n nach Lodz" (wohlgemerkt mit falscher Stadtnamen-Aussprache! Richtig ist nämlich nicht "Lodsch", sondern in etwa "Wuutsch") bekannt. Was sich aber hinter den ungezählten Namen verbirgt, wissen nur wenige. Es ist an der Zeit, das zu ändern.

Lodz blickt auf eine noch relativ junge Geschichte zurück. Zwar erhielt Lodz bereits im Jahr 1423 die Stadtrechte, blieb aber fast vier Jahrhunderte lang eine kleine Handwerks- und Agrarsiedlung, knapp 800 Einwohner in Holzhütten quasi. Erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts begann aufgrund der Industrialisierung eine große Migrationsbewegung: die russischen Behörden fällen im geteilten Wiener-Kongress-Polen die Entscheidung: Lodz wird eine Industriemetropole! Kaufleute, Unternehmer und Architekten, hauptsächlich Deutsche und Juden, zog es in das "Gelobte Land" - Lodz entwickelt sich innerhalb weniger Jahre vom netten 800-Mann-Dorf von nebenan zur dreihunderttausend-Einwohner-starken Textimetropole Mitteleuropas (der größten!): Industrielle Revolution großgeschrieben, Fabriken, Paläste, Arbeitersiedlungen soweit das Auge reichte und ein buntes Zusammenspiel der deutschen, russischen, polnischen und jüdischen Traditionen. Die rasenden Industrieentwicklungen wurden durch den Ausbruch des 1. Weltkrieges jedoch jäh unterbrochen, die goldenen Jahre Łódź (Lodsch) schienen vorbei. Nach dem 2. Weltkrieg schaffte Łódź dann den Sprung von der ehemaligen Industrie- zur Kunst- und Kulturmetropole und machte sich als Filmhauptstadt einen Namen. Andrzej Wajda, Roman Polański oder Krzysztof Kieślowski - die Liste der Regisseure und Kamerleute von Weltrang, die aus der dortigen Filmhochschule hervorgingen, ist lang.

Markenzeichen der Lodzer Architektur und Must-See: die knapp 160 Residenzen und Prunkbauten, die wohlhabende Textil-Fabrikanten im 19. und 20. Jahrhundert hier errichteten. Nicht zu vergessen: Die fast fünf Kilometer lange Piotrkowska-Straße (Europas längste Handelsstraße!), die Wirbelsäule Lodzs und als Flaniermeile mit unzähligen Cafés, Bars und gemütlichen Restaurants bekannt. Sie ist zugleich auch die schönste Straße der Stadt. Und apropos Restaurants und Cafés: in Lodz - man mag es sich nach einem kurzen Einblick in die Historie der Stadt schon denken - vermischte sich dank Multikulturalität natürlich auch die verschiedenen Küchenstile miteinander zu einem großen, facettenreichen Ganzen: die deutsche, russische, jüdische und polnische Küche haben hier ihre Spuren hinterlassen. So finden sich polnische Rezepte wie Hering mit Sauerrahm, zalewajka ((Suppe mit Kartoffeln, Pilzen, Brot und Wachteleiern) oder prażoki (ein beliebtes Kartoffelgericht) genauso auf der Speisekarte wie deutsche Klöße und Wellfleisch, jüdische Pilzsuppe oder russische salzig-saure Rassolnik-Suppe: nicht umsonst nennt man Lodz auch die Stadt der vier Kulturen - ein multikulturelles Schlemmerparadies vom Vielfältigsten... äh Feinsten.

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