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Madeira

Kulinarische Perle im Atlantik
Land

Südwestlich von Lissabon, mitten im Atlantik, befindet sich Madeira – ein Ort voller natürlicher Schönheit und Genuss-Vielfalt. Zusammen mit der kleinen Nachbarinsel Porto Santo und den beiden unbewohnten Inselgruppen Ilhas Desertas und Ilhas Selvagens bildet die Insel Madeira die autonome Region Madeira. Je nach geografischer Lage sind in der Region verschiedene Mikroklimata und klimatische Unterschiede im Tagesverlauf zu finden. Das bedeutet, es ist möglich, alle vier Jahreszeiten des Jahres an einem Tag zu erleben. Doch nicht nur die klimatischen Bedingungen auf der in mehreren vulkanischen aktiven Phasen entstandenen Region sind besonders. Auch in kulinarischer Hinsicht hat das sonnenverwöhnte Madeira einiges zu bieten. Schon die exotische Farbenpracht lässt erahnen, welche köstlichen Schätze dieser Ort beherbergt.

Regionale Märkte und Blumen-Eldorado
Dank den fruchtbaren Böden der Insel und dem ewigen Sommerklima sind frisches Obst und Gemüse aus der Region das ganze Jahr über erhältlich. Südfrüchte, wie beispielsweise Bananen oder Passionsfrucht, wachsen auf angelegten Terrassen an den Steilhängen und auch Wein sowie Zuckerrohr und Oliven werden auf der vorwiegend felsigen Insel angebaut. Dementsprechend üppig gefüllt mit vollreifen, duftenden Früchten sind die Körbe und Kisten auf den regionalen Märkten. In der Innenstadt von Funchal, der Hauptstadt der Insel Madeira, befindet sich die Markthalle „Mercado dos Lavradores“. Über zwei Etagen bieten hier Gemüse- und Obsthändler ihre Waren an und auch die vor der Küste frisch gefangenen Fische zierten die Auslagen in der Fischhalle. Auch an anderen Orten finden regelmäßig kleine Festivals und Bauernmärkte statt, wo es die verschiedensten kulinarischen Genüsse zu probieren sowie exotische Blumen und Pflanzen zu bestaunen gibt. Zur Feier des Frühlings wird im April/Mai ein Blumenfest abgehalten, bei dem blumengeschmückte, bunte Wagen begleitet von Musik durch die Stadt ziehen. Blumenkunstwerke zieren die Straßen, beim Blumenmarkt reihen sich lokale Blumenarten aneinander und verzaubern die Besucher mit ihrem Duft und Schönheit. Es dreht sich eben alles um die Blume – nicht umsonst wird Madeira auch „Die Blumeninsel im Atlantik“ genannt.
Bodenständig und gesellig
Die portugiesische Küche ist voll von regionalen Besonderheiten und Traditionen. Dass Fisch und Fleisch dabei eine große Rolle spielen, wird schnell klar. Das macht auch Sinn, denn frischer könnten Muscheln, Fisch und andere Meerestiere nicht sein. Hiesiger Thunfisch, schwarzer Degenfisch und andere Köstlichkeiten aus dem Wasser werden zu den verschiedensten traditionellen Gerichten verarbeitet. So wird in Funchal der Thunfisch gerne mit Zwiebelgemüse und gebratenen Maismehlstücken serviert. Tintenfisch (Lulas) oder Papageienfisch (Bodiao) erfreuen gegrillt, gedünstet oder frittiert den Gaumen. Und auch eingelegte Fischspezialitäten gibt es in den verschiedensten Ausführungen. Während Entenmuscheln (Lapas) und gegrillte Napfschnecken als typische Vorspeise gereicht werden, wird der Espetada, die wohl bekannteste Spezialität auf Madeira, gerne zum Hauptgang serviert. Diese Fleischspieße haben auf Madeira ihren Ursprung und werden mit Lorbeer und Meersalz gewürzt und anschließend gegrillt. Außen schön knusprig und innen saftig zart wird das Fleisch am Spieß auf ein Gestänge aufgehangen, direkt vor dem Genießer auf dem Tisch. Sogar eigene Espetada-Restaurants sind in der Region zu finden, deren Besuch ein absolutes Muss für Fleischliebhaber ist. Typische Beilagen sind neben Süßkartoffeln (Batata doce) die bereits erwähnten Maiswürfel (Milho frito) und nicht zu vergessen das Bolo do Caco, ein Fladenbrot aus Weizenmehl, welches auf einem heißen Stein gebacken und warm mit Kräuterbutter und Knoblauch gegessen wird. Madeiras älteste Süßigkeit ist wohl der Bolo de mel, ein Honigkuchen, der traditionell zu Weihnachten verspeist wird. Er stammt aus den Zeiten, als die Insel ein bedeutender Zuckerhersteller war, ist heute aber noch genauso köstlich.
Zu einer geselligen Runde gehören natürlich auch die passenden Getränke und auch diese haben in der portugiesischen Kultur ihren eigenen Platz.
Ein Getränk, das überall in der Region zu finden ist, ist die Poncha. Das Nationalgetränk besteht für gewöhnlich aus Honig, Zitronensaft und ganz wichtig: Zuckerrohrschnaps (Aguardente). Mit oder ohne Eis serviert, kalt oder warm getrunken, die Poncha hat es in sich. Zum Mischen des Getränks wird traditionellerweise ein Caralhinho - ein aus Holz geschnitzter großer Quirl – verwendet. Mit ihm werden die Zutaten solange verquirlt, bis sich der Honig aufgelöst hat und der Alkohol kaum mehr zu schmecken ist. Tipp: Wer wissen möchte wie der Zuckerrohrschnaps hergestellt wird, der kann im „Engenho da Calheta“ hinter die Kulissen blicken und sich natürlich auch eine originale Poncha gönnen.
Begünstigt durch die milde Witterung und den reichhaltigen Böden entwickelte sich der Weinbau auf Madeira ausgezeichnet. Große Bekanntheit erlangte die Region auch dank des gleichnamigen Weins: dem Madeirawein, kurz Madeira. Für dessen Herstellung sind die Rebsorten Tinta Negra Mole, Malvasia, Verdelho, Sercial und Bual als „edle Sorten“ zugelassen. Im 17. Jahrhundert soll sich der Legende nach die besondere Art der Herstellung mehr oder weniger zufällig ergeben haben. Um damals erzeugte Weine haltbarer zu machen, wurden ihnen oft aus Zuckerrohr destillierter Alkohol zugesetzt. Als der in Fässer gelagerte Madeira-Wein nach einer Reise über das Meer unfreiwilligen wieder zurück in Madeira ankam, stellten die Seeleute fest, dass der Wein besser schmeckte als zuvor. Der Grund dafür: Durch die Sonne wurden die Fässer stark erhitzt, wodurch der Wein eine volle Struktur und ein intensives Bukett erhielt. Zudem schüttelte der raue Seegang den Wein kontinuierlich durch. Es sollte mehr als eineinhalb Jahrhundert dauern, bis ein Verfahren gefunden wurde, den edlen Tropfen „künstlich“ herzustellen. Heute reift der Rebensaft auf Madeira bei Temperaturen um 50 Grad in großen Tanks (Estufagem-Verfahren) bevor er in Eichenfässern gelagert wird. Madeirawein ist ein aufgespriteter Wein, das heißt die Gärung wird durch die Zugabe von Weinbrand unterbrochen. Je nach Typ kann Madeirawein Noten von gerösteten Nüssen, eingemachtem Obst, Karamell und andere Aromen beinhalten und von trocken bis süß schmecken.
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